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Radwege in der Luisenstadt – die „ecke“ kritisiert Senatsentwurf

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In diesem u. a. Originalartikel aus der „ecke No 5 November Dezember 2021“ lesen Sie Begriffe wie „Referentis“, „Abteilungsleitis“, „Fußgängis“ und „Radfahris“ – die Redaktion der ecke fährt damit ein Gender-Experiment – und freut sich dazu über Ihre Meinung!
Mehr über dieser Aktion und der u.a. Artikel ist hier in der PDF-Ausgabe der ecke zu lesen.


Der  Original-Wortlaut des Artikel aus der „ecke No 5 November Dezember 2021“:

„Ohne Strategie für die Brückenstraße – Senat veröffentlicht Entwurf für ein künftiges Radverkehrsnetz“

Kurz vor der Wahl beschloss der Senat einen Entwurfsplan für ein umfassendes Berliner Radverkehrsnetz. Darauf hatten die Verkehrsinitiativen der Stadt lange gewartet. Jetzt werden sie ihn gründlich unter die Lupe nehmen.

Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Nördliche Luisenstadt vorbildlich in das Radverkehrsnetz integriert sein müsste. Denn Am Köllnischen Park 3 ist ja schließlich die Dienstadresse der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Und wenn die bisherige Senatorin und ihr für Verkehr zuständige Staatssekretär, die Abteilungsleitis und Referentis öfter mal mit dem Rad unterwegs sein sollten, dann müssten sie eigentlich den kritischen Blick für die Situation vor Ort schon selbst entwickelt haben.

Leider merkt man das dem Planungsentwurf nicht an. Denn es fehlen irgendwelche Hinweise auf eine Strategie zum Umgang mit der lokalen Problemzone, der Engstelle Brückenstraße. Die ist nämlich jetzt schon zu schmal, um sowohl den Autoverkehr als auch den übergeordneten Radverkehr aufzunehmen. Auf weniger als eine Fahrspur pro Fahrtrichtung kann man den benötigen Raum für den motorisierten Verkehr dort nicht verringern und Parkplätze zum Abbauen gibt es keine.

Die im „Radvorrangnetz“ (auf der Karte in roter Farbe markiert) vorgegebene Breite der Radverkehrsanlagen von 2,50 Metern ohne Markierungsstreifen ist hier also beim besten Willen nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht, wenn auch noch Fußgängis Platz finden sollen.

Schon jetzt passieren aber täglich oftmals 15.000 und mehr Radfahris die Jannowitzbrücke, wie die Zählstelle dort registriert. In der Praxis heißt das, dass sich zu Stoßzeiten nach jeder Ampelumschaltung von der Kreuzung Köpenicker Straße aus schon mal eine lange Schlange aus zwei Dutzend Fahrrädern hintereinander in die Brückenstraße schiebt.

Wenn daraus eines Tages vier, fünf Dutzend werden sollten, wäre die Kreuzung für andere Verkehrsteilnehmis vollends blockiert. Möchte man das verhindern, müsste man jetzt Alternativen bedenken – zum Beispiel eine attraktive Fahrradroute über die wiederaufzubauende Waisenbrücke. Leider findet sich aber im Senatsentwurf kein Hinweis darauf.

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man stattdessen, grau eingezeichnet, andere mögliche Brückenanlagen. Eine führt vom alten Widerlager an der Littenstraße diagonal über die Spree zur Brückenstraße und würde der Engstelle sogar noch zusätzlichen Verkehr zuführen. Eine andere überbrückt die Spree auf Höhe der Schleuse zwischen Kloster- und Inselstraße. Ist die Waisenbrücke damit vom Tisch? Warten wir mal ab.

Eine zusätzliche Radroute vom Alexanderplatz über die Klosterstraße und eine neue Brücke zur Insel- und Köpenicker Straße hätte natürlich auch Vorteile. Dazu müsste jedoch die Situation am Alexanderplatz geklärt sein, über die der Plan keine Auskunft gibt („Detailuntersuchungen noch durchzuführen“).

Und sinnvoll wäre es darüber hinaus, dann auch Insel- und Köpenicker Straße ins Vorrangnetz zu übernehmen. Derzeit sind diese in dem Plan nur gelb markiert.

Entlang der Köpenicker Straße erstreckt sich aber der Südteil der „Mediaspree“ mit ihren vielen tausend Arbeitsplätzen im IT- und Medienbereich. Die jungen Mitarbeitis dieser Firmen nutzen extrem häufig das Rad. Zwar wurde auf der anderen Seite des Flusses entlang der Holzmarktstraße gerade ein geschützter Super-Radweg eingerichtet. Den nutzt aber nur, wer ohnehin auf die Friedrichshainer Seite der Spree wechseln will.

Südlich davon fehlt in der Planung ganz offensichtlich eine übergeordnete Ost-West-Radverbindung durch Kreuzberg.

Zum Schluss auch mal was Positives

ecke köpenicker No 5 November Dezember 2021 - PDF hier herunterladen
ecke köpenicker No 5 November Dezember 2021 – PDF hier herunterladen

Der geplante Spreeuferweg und der Mauerradweg sind nicht Bestandteile des Radverkehrsnetzes. Das ist gut. Denn am Spreeufer ist kaum Platz für Radfahris und das Erkunden des einstigen Mauerverlaufs sollte dann besser vorrangig für die Fußgängis möglich sein. Dorthin müssen wir nicht zusätzlich auch noch Radfahris lotsen.

Quelle: us in ecke No 5 November Dezember 2021 (lesen/downloaden hier)

Im Internet findet sich der Entwurf des Berliner Radverkehrsplanes unter:

www.Berlin.de/sen/uvk/verkehr/verkehrsplanung/radverkehr/radverkehrsnetz


Abbildung oben/hier: Radwegenetz Berlin Mitte


Direkt-/Downloadlink:
Hochauflösender Netzplan Radverkehrsnetz Berlin Gesamt
(PDF-Dokument (18.1 MB)


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