Spreefeld bei Google Earth Header

Von der Brandstiftung zum Happy End  – Wie es mit dem Spreefeld weiterging

Print Friendly, PDF & Email

Der folgende Text erschien als Artikel in der Stadtteilzeitung „ecke köpenicker“ No. 2 April Mai 2022


Mit der Grundsteinlegung für das erste Haus des Spreefeldes vor genau zehn Jahren endete die erste Kolumne zur Geschichte dieses besonderen Areals (Ecke Köpenicker 1/2022).

Damit möglichst viele auch diese Fortsetzung lesen, schloss ich mit einem sogenannten Cliffhanger, also einer Vorschau auf diesen Text, in dem es zuerst um die Brandstiftung im Rohbau geht.

Der Brand wurde 2012 nachts im Aufzugsschacht gelegt, als der frisch gegossene Rohbau trocknen sollte. Dieses Feuer, wäre es nicht rechtzeitig entdeckt worden, hätte leicht das ganze Gebäude vernichten können.

Zu den Brandstiftern kann man nur spekulieren, niemand wurde jemals dafür zur Rechenschaft gezogen. Nicht einmal einen begründeten Verdacht gibt es.

Aber die Geschichte hat einen Helden, und zwar den Kiffer Steve vom Spreeacker. Denn das Bootshaus und der kleine Hügel daneben waren für das Projekt Spreeacker zur Zwischennutzung freigegeben, damit Menschen dort vorübergehend wohnen konnten.

So entstand das Teepeeland und so siedelte Steve mit seiner echten mongolischen Jurte neben dem Bootshaus und nahe an der Baustelle.

Teepeeland im März 2022
Teepeeland im März 2022 – Klick für die Großansicht

Steve hatte ein großes Herz, er kiffte viel und schlief den ganzen Tag. Dafür war er nachts wach und bemerkte so das Feuer. Er schlug Alarm und so wurde der Brand zeitig gelöscht und die Schäden hielten sich im Rahmen.

Für Steve wurden die Ereignisse zum Einstieg in ein normales Leben, denn der 26-jährige Obdachlose bekam als Sicherheitsbeauftragter des Spreefeldes seine erste Festanstellung.

Während Steve die Spreefeld-Häuser erfolgreich vor weiteren Angriffen schützte, hatte er mit seiner Jurte weniger Glück. Sie wurde auch von anderen mitgenutzt und durch unsachgemäße Bedienung eines Ofens und Funkenflug selbst Opfer eines Brandes.

Glücklicherweise gab es keine Verletzten, aber das Zelt samt dem Holzvorbau mit der kleinen Terrasse brannte nieder.

Die Baustelle des Spreefeldes bot aber auch schon vor eigentlichem Baubeginn unangenehme Überraschungen. Bei der Erdsanierung musste wegen eines alten Ziegelfundaments aus dem 19. Jahrhundert viel tiefer gegraben werden als geplant, eine unerwartete Kostensteigerung. Andererseits war das Erdreich nicht wie befürchtet kontaminiert.

Das Spreefeld wurde gebaut und, inzwischen wohl in der Berliner Innenstadt ganz undenkbar, der Kostenrahmen von 2100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche konnte eingehalten werden.

Nicht zuletzt durch den günstigen Grundstückspreis. Es handelt sich um Plattenbauten, nicht ganz wie in der DDR, aber tatsächlich sind die Fassadenelemente samt Fenstern als Platten vorgefertigt.

2009 war die GmbH gegründet worden. Mit einem feierlichen Akt war die GmbH dann in eine Genossenschaft umgewandelt worden, 2012 war Baubeginn.

Die Geldgeber der GmbH hatten sich garantieren lassen, dass sie ihre Wohnungen aus der Genossenschaft herauskaufen könnten. Letztlich haben über 50% der Mitglieder dieses Recht in Anspruch genommen.

So ist das Spreefeld inzwischen eher eine Wohnungseigentümergesellschaft als eine Genossenschaft, da der Genossenschaft weniger als 50% des Spreefelds gehört.

Die Häuser wurden nacheinander im Winter 2013/14 bezogen. Es gab drei WGs, in einem Haus zum Beispiel die Alten-WG auf einer ganzen Etage, so genannt, weil die Bewohner über 50 Jahre alt waren.

Alle dort hatten eigene Kochgelegenheiten, aber auch eine Gemeinschaftsküche gehörte dazu. Es gibt keine Gemeinschaftsräume im Spreefeld, aber Gemeinschaftsterrassen.

In anderen WGs des Bauprojekts gibt es immerhin die Möglichkeit, später die einzelnen Zimmer mit Kochgelegenheiten zu komplettieren. Außerdem gibt es über zwei Etagen die Kater-WG vom Kater Holzig, deren Bewohner in Selbsthilfe an dem Bau mitgearbeitet haben.

Das Bootshaus mit Spreeterrasse im März 2022
Das Bootshaus mit Spreeterrasse im März 2022 – Klick für die Großansicht

Das Motorboot im Bootshaus gehört der Genossenschaft und es ist wahrscheinlich das originellste Alleinstellungsmerkmal des Spreefelds, dass die Bewohner mit dem Gemeinschafts-Motorboot zur Mühlendammschleuse oder nach Köpenick fahren können, wenn sie über den nötigen Bootsführerschein verfügen.

Die Mühe der Architekten, Genossen und aller anderen am Spreefeld Beteiligten wurde mit dem Deutschen Architekturpreis belohnt. Derzeit wohnen ungefähr 100 Menschen im Spreefeld.

Text: Falko Hennig in der „ecke köpenicker“ No. 2 April Mai 2022

Abildung oben: Google Earth


In Planung: Spreeuferweg Süd
In Planung: Spreeuferweg Süd – Klick für die Großansicht

In diesen Beitrag eingefügte Fotos: Ralph Bauer


Gesamte ecke downloaden/lesen
Gesamte ecke downloaden/lesen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.