Waisenbrücke

Spree: Keine Fahrradstadt ohne Waisenbrücke!

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In der geraden erschienenen neuen „ecke köpenicker“ (siehe unten) fordert Christof Schaffelder den Wiederaufbau der Waisenbrücke über die Spree.

Wir finden auch, Berlin kann gar nicht genug Brücken haben, vor allem, wenn die Hälfte demnächst wegen Rekonstruktionen gesperrt wird. Aber auch unserem Kiez, der Nördlichen Luisenstadt, käme eine ruhige Fußgänger- und Fahrradverbindung parallel zur Brückenstraße sehr zu Gute.

Überraschung: Der Bau der Brücke sei bereits längst beschlossen … aber wir leben ja in Berlin. Steter Tropfen höhlt hoffentlich den Stein. Geben Sie das Thema gern weiter, wir werden es weiterhin wiederholen.


Christof Schaffelder schreibt in der „ecke“ Seite 4:

Mehr Konzentration auf bezirkliche Radrouten erforderlich Berlin wäre gerne Fahrradstadt. Weniger Staus auf den Straßen, weniger Gedränge in öffentlichen Verkehrsmitteln, mehr körperliche Bewegung der Stadtbevölkerung: die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther sieht uns auf einem guten Weg.


Waisenbrücke 1904
Waisenbrücke 1904

Doch an ihrem Dienstsitz Am Köllnischen Park 3 müsste sie auch erkennen, welch große Probleme noch zu überwinden sind:

Dringend wäre zum Beispiel der Wiederaufbau der Waisenbrücke als Fußgänger- und Fahrradbrücke. Denn schon jetzt passen die Fahrräder, die Tag für Tag die Jannowitzbrücke überqueren, kaum noch durch die sich anschließende Brückenstraße.

Vor allem im Berufsverkehr gibt es Probleme, etwa wenn Lieferfahrzeuge auf dem schmalen Radstreifen parken oder wenn dort Baustellen eingerichtet sind.

Und im direkten Umfeld der Brücke entstehen tausende neuer Büroarbeitsplätze, vor allem im Tech-Bereich. Die dort Beschäftigten nutzen weit überdurchschnittlich das Rad für ihren Arbeitsweg.

Es wird also schon bald deutlich voller werden. Im vergangenen Jahr registrierte die automatische Fahrradzählstelle auf der Jannowitzbrücke durchschnittlich 8.200 Räder pro Tag und im August auch schon mal 15.000 – derzeit der deutlich höchste Messwert der Stadt.

Allerdings fehlt noch viel bis zum Niveau echter Fahrradstädte: In Kopenhagen zum Beispiel gibt es gleich mehrere Brücken, die übers Jahr hinweg werktags von mehr als 30.000 Radfahrern passiert werden, bei Spitzenwerten von nahezu 50.000. Das sind drei- bis viermal so viele wie auf der Janno witzbrücke!

Die Brückenstraße müsste man für KFZ schließen, wenn sie solch einen Radverkehr bewältigen können soll:

Platz für breite „protected bike lanes“ wie an der Holzmarktstraße bietet die Engstelle im innerstädtischen Hauptstraßennetz nämlich definitiv nicht.


Deshalb bleibt als Alternative eigentlich nur der Neubau der Waisenbrücke, die sich schon vor dem Krieg zwischen Köllnischem Park und Littenstraße über die Spree gespannt hatte.

Über die Waisenbrücke könnte eine alternative Radroute verlaufen, die die Brückenstraße entlastet. Und falls man sich dazu durchringen könnte, Nebenstraßen wie Am Köllnischen Park und Littenstraße zur Fahrradstraßen umzuwidmen, wäre diese Route für viele Radfahrer auch wesentlich attraktiver als der Rand einer vielbefahrenen, unübersichtlichen und stickigen Hauptverkehrsstraße.

Der Neubau der Waisenbrücke für Fußgänger und Radfahrer ist zwar schon längst beschlossen und auch Teil des Sanierungskonzepts der Nördlichen Luisenstadt.

Aber praktisch verhindern personelle Engpässe in der Abteilung für Tiefbau der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, dass irgendwelche konkreten Planungsschritte stattfinden.


Ohne klare politische Priorisierung hat die Waisenbrücke keine Chance, in absehbarer Zeit realisiert zu werden.

Bezirkliche Radrouten abseits der Hauptverkehrsstraßen könnten auch dazu beitragen, dass mehr gebürtige Berliner das Fahrrad im Alltag nutzen.

Gegenwärtig scheinen es vor allem die Zugewanderten zu sein, die die Radwege bevölkern: Vor Oberschulen wie dem Max-Planck-Gymnasium in der Singerstraße sieht man jedenfalls selbst im Sommer während der Schulzeit kaum irgendwo ein angeschlossenes Rad.

Wer in Berlin zur Schule geht, lernt meistens nicht, sich mit dem Rad durch die Stadt zu bewegen. Wer dagegen als junger Erwachsener in Berlin ankommt, muss sich in diesem Stadt-Moloch erst mal ein persönliches geografisches Koordinatensystem erarbeiten, um allmählich so etwas wie „Heimat“ empfinden zu können. Das geht am besten mit dem Fahrrad.

Um Fahrradstadt zu werden, müsste Berlin also auch Strategien entwickeln, mehr Schülerinnen und Schüler für das Rad zu begeistern. Ohne ein dichtes Netz bezirklicher Radrouten, auf denen man vergleichsweise stressfrei und sicher unterwegs sein kann, wird es nicht gehen.

Radschnellwege und immer mal wieder kurze Abschnitte mit „protected bike lanes“ entlang der Hauptstraßen reichen nicht aus. Aber leider sind derzeit noch nicht einmal Ansätze erkennbar, die übergeordnete Planung eines solchen Netzes zu entwickeln. Dazu fehlen in den Bezirken die Fachleute, aber auch grundlegende Entscheidungen über die Radverkehrsstrategie Berlins.

Autor: cs


Foto oben: Die Waisenbrücke im „Stadtmodell“

Text aus

ecke köpenicker No 1 2020Aus „ecke köpenicker No 1 März April 2020“
Lesen/downloaden hier


Die Widerlager der alten Waisenbrücke gegenüber des Märkischen Museums sind noch erhalten. Möglicherweise, also ziemlich sicher, könnten auf ihnen eine neue Fußgänger- und Fahrradbrücke errichtet werden. Wenn man denn nur will. Paul Spiess, der Chef des Stadtmuseums ist sehr dafür, unsere Betroffenenvertretung sowieso.


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Hier war die Waisenbrücke

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