Frühling für die Waisenbrücke

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Ein Plädoyer für den Neubau einer Brücke über die Spree von Volker Hobrack


Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte,
süße wohlbekannt Düfte streifen ahnungsvoll das Land
Frühling, ja Du bist´s!
Dich hab ich vernommen.
Eduard Mörike

Welcher Müßiggänger kennt nicht dieses Gedicht. Diese Huldigung an die ersten warmen Frühlingstage kommt einem in den Sinn, wenn man auf der Bank sitzend über den Fluss schaut und gegenüber die Weiden ein erstes Grün zeigen.


Update: Stadtmuseum: „Let’s Build Berlin“ – Wiederaufbau der Waisenbrücke | BV Nördliche Luisenstadt (luise-nord.de)


Nur wenige Stellen im historischen Zentrum von Berlin verleiten so zum Verweilen und zur Muße wie die kleine freie Fläche vor dem Brückenkopf der ehemaligen Waisenbrücke.

Der Blick über die Spree streift zur Linken die Anlegestelle der Weißen Flotte, dann die Jannowitzbrücke, gegenüber die markante Silhouette des Märkischen Museums und rechts den Historischen Hafen und die Mühlendammschleuse.

Die Eisschollen der vergangenen Woche haben sich aufgelöst, gefolgt von den ersten Booten unentwegter Wasserfreunde.

In dieses Bild würde eine Fußgängerbrücke sehr gut passen. Man könnte vom Köllnischen Park über die Spree am Rolandufer entlang bis zum Nikolaiviertel promenieren ohne große Verkehrsströme zu kreuzen.

So stellen sich die Mitarbeiter des Stadtmuseums die Zukunft vor, wenn sie von einer fußläufigen Verbindung der beiden Ausstellungsorte Nikolaikirche und Märkisches Museum/Marinehaus sprechen.

Und dieselbe Vision haben auch die Stadtplaner für das Sanierungsgebietes Nördliche Luisenstadt vor Augen gehabt, als sie das Hauptziel des Projektes -Schaffung eines Spreeuferweges von der Schillingbrücke bis zum Köllnischen Ufer- mit einer neuen Waisenbrücke für Fußgänger und Radfahrer festgesetzt haben. Die Wiedererrichtung der Waisenbrücke ist ein Sanierungsziel, festgesetzt für die Laufzeit von 2009 bis 2025.

Senat und Bezirksamt Mitte haben sich dazu verpflichtet. Sie haben ein amtliches Koordinierungsbüro zur Betreuung des Vorhabens eingesetzt und sie haben ein ehrenamtlich arbeitendes Gremium von betroffenen Anwohnern entsprechend den gesetzlichen Regelungen gebildet.

Als ein Sprecher der Betroffenenvertretung von Anfang an habe ich die Schwierigkeiten gesehen, die sich vor den Planern und vor der Verwaltung aufgetürmt haben.

Es sind vor allem die verzwickten Eigentumsverhältnisse entlang der Spree und der Köpenicker Straße, die ein Durchgreifen der städtischen Behörden erschweren und teilweise verhindern.

Es gibt außerdem große technische Schwierigkeiten mit einem maroden Spundwandsystem, das enorme Kosten verursachen wird. So haben sich die verantwortlichen Stellen auf eine provisorische Gestaltung des Spreeuferweges verständigt, bevor ein großer Wettbewerb ausgerufen wird.

In diese Bemühungen der letzten zwei Jahre ist aber das Teilstück Waisenbrücke nicht eingegangen.

Auf Nachfragen aus der Betroffenenvertretung reagieren Sanierungsverwaltungsstelle, Koordinierungsbüro und Baustadtrat ausweichend und hinhaltend.

Berlin hätte mit den vorhandenen Brücken so viele Sanierungsrückstau, dass an eine neue Brücke vorerst nicht zu denken sei. Die Abteilung Brückenbau bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sei hoffnungslos überfordert.

Bis jetzt haben wir keine Vorentwürfe, keine Kostenschätzung oder eine andere Planungsunterlage für die Waisenbrücke gesehen.

Doch wie soll das Sanierungsziel insgesamt erreicht werden, wenn das Teilstück Wiederaufbau Waisenbrücke fehlt?

Planung, Finanzierung und Realisierung von Brücken dauern in der Regel 5 bis 10 Jahre und hier würden keine Eigentumsverhältnisse stören.

Anfang Februar 2021 haben wir von der Betroffenenvertretung ein Schreiben an den zuständigen Staatssekretär der Senatsverwaltung UVK gerichtet und auf dieses Dilemma hingewiesen.

Wir haben vorgeschlagen einen pensionierten Fachmann außerhalb des normalen Dienstbetriebes als Sonderbeauftragten zu gewinnen und durch ihn eine Machbarkeitsstudie bzw. eine Vorplanung erarbeiten zu lassen. Das dürfte keine Frage des Budgets sein, sondern der Gewinnung von fachlicher Kapazität außerhalb planmäßiger Ressourcen.

Eine hölzerne Konstruktion würde den gewohnten Stahl- und Betonbrückenbau in keiner Weise beeinträchtigen. Und die noch vorhandenen Fundamente und Widerlager der früheren steinernen Waisenbrücke könnten sicher wieder verwendet werden. Wir warten noch auf eine Antwort.

Im Herbst vergangenen Jahres hatten wir Paul Spieß von der Stiftung Stadtmuseum zu Gast. Er ist einer der Befürworter für den Wiederaubau.

Mit ihm haben wir abgesprochen, mit einem sogenannten Brückentag öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Mit den personellen und materiellen Möglichkeiten des Stadtmuseums wollten wir gemeinsam ein spektakuläres Ereignis im Mai 2021 veranstalten:

Ein Fahrradcorso, ein kleines Straßenfest mit Musik, Bühne und Gastronomie, ein Stahlseil über die Spree mit Hochseilakrobatik, Kinderzeichnen auf dem Pflaster, Flyer verteilen, Plakate, Lasershow u.a. Mit einem derartigen Ereignistag hätten wir die Öffentlichkeit erreichen und auf die fehlende Brücke aufmerksam machen können. Doch ist das jetzt alles unter den Bedingungen des Lockdowns nicht realisierbar.

Aufschieben auf unbestimmte Zeit oder eine Online-Veranstaltung versuchen? Vor dieser Frage stehen wir und suchen nach Möglichkeiten der Popularisierung.

Gegenwärtig ist eine Lockerung der Einschränkungen des öffentlichen Lebens noch nicht absehbar. Wir wollen trotzdem gemeinsam mit dem Stadtmuseum die Zeit nutzen und Unterstützer in der BVV, im Abgeordnetenhaus, im Bezirksamt und im Senat suchen.

Presseberichte wären bestimmt hilfreich.

Volker Hobrack


Abbildung oben: AK Spree Waisenbrücke 1904 – Quelle Archiv

Abbildung unten: Die Waisenbrücke im Stadtmodell der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am Köllnischen Park. – (Foto: Ralph Bauer)
Die Dauerausstellung im Web: www.Stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmodelle/..


Die Waisenbrückeim Stadtmodell
Die Waisenbrückeim Stadtmodell

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