LETZTE ÄNDERUNG am Sonntag 5. Juli 2026 16:04 durch Luise
Autorin: Luise
Lange Zeit prägten staubige Schutznetze, mächtige Kräne und ein Gewirr aus Baugerüsten das Straßenbild an der Köpenicker Straße in unserer Luisenstadt.
Doch wer in diesen Tagen dort entlanggeht oder – wie die Reporter von Entwicklungsstadt – den Baufortschritt aufmerksam beobachtet, sieht eine tiefgreifende Veränderung:
Nach und nach fallen die Fassadenhüllen des ambitionierten Neubauprojekts der landeseigenen WBM (Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte). Erstmals lässt sich real im Stadtraum begutachten, was bislang nur von Computergrafiken bekannt war.
Eines wird sofort deutlich: Hier entsteht kein klassischer, monotoner sozialer Wohnungsbau von der Stange. Die WBM setzt an dieser Stelle auf eine ausgesprochen markante, fast skulpturale Architektur, die im Kiez zweifellos für Gesprächsstoff sorgen wird.
Hier ist ein kompakter Überblick zum aktuellen Stand des Projekts, das den Namen „Quartier Lilienthal“ trägt.
Architektonischer Akzent oder optisches Ärgernis? Die Fassade zeigt Gesicht
Mit jedem demontierten Gerüstabschnitt tritt eine plastisch gestaltete Gebäudehülle hervor, die sich durch markante Geometrien, Reliefs und diagonale Muster auszeichnet.
Diese weiße, stark strukturierte Rasterfassade erzeugt je nach Sonnenstand und Lichtverhältnissen ein sehr lebendiges, fast wellenartiges Schattenspiel.
Die Reaktionen aus der Nachbarschaft lassen nicht lange auf sich warten: Während die einen den eigenständigen städtebaulichen Akzent loben, empfinden erste kritische Stimmen das diagonale Kachelraster bereits als unproportioniert. Fest steht: Der Baukörper lässt niemanden kalt.
Ungewöhnlich ist zudem die städtebauliche Figur des Projekts: Der langgezogene Riegel wurde direkt auf einem ehemaligen, großen Parkplatzstreifen vor einer bestehenden DDR-Wohnanlage hochgezogen. Er schließt die historische Straßenkante der Köpenicker Straße und gipfelt im Osten, an der Ecke zur Michaelkirchstraße, in einem markanten Hochpunkt.
Neues Wohnen auf historischem Grund
Insgesamt entstehen in dem Ensemble 102 Wohnungen sowie Gewerbeflächen im Erdgeschoss. Für uns als Chronisten der Luisenstadt ist dabei der historische Kontext besonders spannend: Der Neubau steht auf geschichtsträchtigem Boden. Genau auf diesem Areal befand sich einst die Flugzeugfabrik des legendären Luftfahrtpioniers Otto Lilienthal, weshalb das Quartier nun auch folgerichtig seinen Namen trägt.
Bemerkenswert ist das Projekt jedoch nicht nur wegen seiner Hülle oder Historie, sondern auch aufgrund innerer Werte: Neben den klassischen, teils geförderten Mietwohnungen integriert die WBM hier innovative Clusterwohnungen. Diese gemeinschaftlichen Wohnformen sollen neue, flexible Antworten auf die veränderten Anforderungen des Berliner Wohnungsmarktes geben.
Zielgerade: Vermietung läuft, Einzug im Spätsommer
Die Bauarbeiten biegen unübersehbar auf die Zielgerade ein. Während im Außenbereich noch an den Erschließungswegen und Freiflächen gearbeitet wird, ist das Gerüst bald vollständig Geschichte.
Wer Interesse an einer der Wohnungen hat, muss sich sputen: Die WBM hat die Vermietung für einen ersten großen Schwung von 70 Wohnungen bereits gestartet.
Läuft alles nach Plan, sollen die ersten Mieterinnen und Mieter bereits ab Mitte August 2026 einziehen können. Die vollständige Fertigstellung des gesamten Ensembles ist für den Sommer dieses Jahres vorgesehen.
Die Luisenstadt gewinnt damit ein neues, architektonisch vieldiskutiertes Gesicht. Wir bleiben für euch natürlich dran und beobachten, wie sich das Quartier Lilienthal nach dem Einzug der ersten Bewohner im Kiezleben etablieren wird.
Wie gefällt euch die neue Fassade an der Köpenicker? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Online zur WBM:
www.WBM.de/neubau-berlin/mitte/koepenicker-strasse
Siehe auch: „Zu vermieten: 70 neue Wohnungen in der Köpenicker Straße – im Quartier Lilienthal“
Bild oben: Die Baustelle des Quartiers Lilienthal im Mai 2026 (Archiv Luise)