Das Standardwerk zum Luisenstädtischen Kanal von Klaus Duntze

Köpfe der Luisenstadt: Klaus Duntze – Der Architekt des Kreuzberger Miteinanders vereinte die Luisenstadt

LETZTE ÄNDERUNG am Montag 10. August 2026 02:50 durch Luise


Klaus Duntze (geboren am 6. Februar 1935, gestorben am 26. Juli 2016) war ein aus Süddeutschland stammender evangelischer Theologe und Pfarrer, der zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Berliner Stadtentwicklung – insbesondere in Kreuzberg und der Luisenstadt – wurde.

Er verstand es auf herausragende Weise, seine theologische Überzeugung in kritisches, stadtpolitisches Handeln für das Gemeinwohl zu übersetzen und trat als unermüdlicher, ruhiger und geradliniger Vermittler zwischen Kirche, Bürgern und Verwaltung auf.

Seine Beiträge lassen sich historisch in zwei große Phasen und Schwerpunkte unterteilen: die Rettung der Kreuzberger Altbausubstanz und die Wiedervereinigung der historischen Luisenstadt.

Die Rettung Kreuzbergs und die „Kreuzberger Mischung“In den 1960er und 1970er Jahren arbeitete Duntze als Pfarrer an der Marthakirche im östlichsten Kreuzberg (SO36).
Zu dieser Zeit drohte dem Bezirk durch den Senat eine sogenannte Kahlschlagsanierung, bei der historische Mietskasernen massenhaft abgerissen werden sollten. Duntze stellte sich vehement gegen diese Pläne, da sie gewachsene soziale Strukturen zerstörten 8.

  • Prägung zentraler Begriffe: Auf einer Werkbundtagung 1975 prägte er den städtebaulichen Leitbegriff der „Kreuzberger Mischung“.
    Damit rehabilitierte er die enge räumliche Verflechtung von Wohnen und Arbeiten (Gewerbe) in den alten Berliner Blöcken und machte sie zu einem positiven Leitmotiv gegen die Funktionstrennung des modernen Städtebaus.


  • „Strategien für Kreuzberg“: 1977 initiierte er den Bürgerwettbewerb „Strategien für Kreuzberg“.
    Dieser forderte die Betroffenen auf, eigene Ideen für ihren Kiez einzubringen, und gilt als Grundstein der
    behutsamen Stadterneuerung.
    Hieraus resultierten Konzepte wie die Bewohnerbeteiligung, die Legalisierung von Instandbesetzungen und die Gleichbehandlung von Altbevölkerung und Migranten.

Als Leiter des Stadtteilausschusses SO36 moderierte er daraufhin viele der gesellschaftlichen Konflikte, die aus der Sanierung entstanden.

Klaus Duntze
Klaus Duntze im Luisenstädtischen Kirchpark
Die Wiederentdeckung und Wiedervereinigung der Luisenstadt

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 erlebte Klaus Duntze, der inzwischen Pfarrer an der St. Thomaskirche war, seine „zweite große Stunde“.

Die historische Luisenstadt, ein Stadtteil, der früher Kreuzberg und Teile von Mitte umfasste, war durch die Sektorengrenze und die Mauer fast 40 Jahre lang zerschnitten worden.

Duntze widmete sich mit großer Leidenschaft der Aufgabe, diesen vergessenen Stadtteil städtebaulich und im Zusammenleben der Menschen wieder als Einheit zu etablieren.

Für Duntze war die Luisenstadt ein gemeinsamer Ort der „Verdammnis und Hoffnung“ 19. Sein Beitrag zur Luisenstadt umfasst vor allem drei Bereiche:

  • Gründung des Bürgervereins Luisenstadt e.V.: Um zu verhindern, dass die Zukunft des Grenzgebietes allein Metropolenplanern und Investoren überlassen wird, gehörte Duntze 1991 zu den Mitbegründern des Vereins und wurde in den ersten Vorstand gewählt. Der Verein setzte sich für die behutsame Neugestaltung und das Zusammenwachsen der getrennten Bevölkerung aus Ost und West ein.

  • Historische Forschung: Duntzes Leitspruch war: „Ohne Gegenwart der Vergangenheit keine Zukunft“. Er verfasste eine umfangreiche Dissertation über die Entstehung der bürgerlichen Kirche im 19. Jahrhundert am Beispiel der Luisenstadt und der Thomaskirche.

  • Buchcover über den Luisenstädtischen Kanal
    Alles über den Luisenstädtischen Kanal – Klick für eine Großansicht

    Das Standardwerk zum Luisenstädtischen Kanal: Mit seinem tiefen historischen Wissen verfasste Duntze das Buch „Der Luisenstädtische Kanal“, das als das wichtigste Standard- und Referenzwerk über das Herz der Luisenstadt gilt.
    Es dokumentiert die Planung durch Lenné, die spätere Zuschüttung als Todesstreifen und die heutige Funktion des Kanals und des Engelbeckens als Verbindungsstück.

Klaus Duntze verstarb im Sommer 2016 und wurde auf dem Alten Luisenstädtischen Friedhof beigesetzt – in direkter Nachbarschaft zu jenen historischen Honoratioren Berlins, die ihm in seinem Handeln und Schreiben stets als Leitsterne gedient hatten.


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