LETZTE ÄNDERUNG am Dienstag 4. August 2026 04:11 durch Luise
Am 29. Juni 2026 stellten in einer zweiten öffentlichen Veranstaltung die fünf Planungsteams ihre überarbeiteten Entwürfe für das Viktoriaspeicherareal in der Luisenstadt-Ost (Kreuzberg) vor.
Anwohner und weitere Interessierte konnten ein letztes Mal ihre Meinung einbringen. Wie geht es nun mit dem letzten großen Grundstück an der Spree weiter? Das fragt die Redaktion von Entwicklungsstadt.de – und das fragen wir uns hier auch. Und warum ein durchgehender Spreeuferweg von der Schilling- bis zur Oberbaumbrücke angedacht, aber dennoch Zukunftsmusik ist.
Die Höhenentwicklung ist der auffälligste Kontrast zwischen den fünf Entwürfen. Die Teams reagieren sehr unterschiedlich auf die gegenüberliegende, bereits stark verdichtete Friedrichshainer „Mediaspree“-Kante:
- Die Maximalvariante: Ein Entwurf schlägt ein markantes Wohnhochhaus von bis zu 60 Metern vor, das durch eine öffentliche Dachbar auch eine soziale Funktion für das Quartier erhalten soll.
- Die Rhythmus-Variante: Ein anderes Team orientiert sich an der bestehenden Berliner Hochhausreihe entlang der Spree und ordnet gleich drei Türme auf dem Gelände an.
- Die zurückhaltende Variante: Es gibt auch Entwürfe, die bewusst auf flachere, behutsamere Akzente setzen, um den historischen Speicher nicht zu erdrücken.
Konsens im Quartier: Was alle Entwürfe verbindet
Trotz der Diskussion um die Höhe gibt es bei den elementaren Eckdaten von rund 1.000 geplanten Wohnungen, Gewerbeanteilen und Freiräumen einen gemeinsamen städtebaulichen Nenner:
- Der Viktoriaspeicher als Anker: Das historische, denkmalgeschützte BEHALA-Gebäude bleibt in allen Konzepten das unangefochtene Zentrum. Es wird freigestellt und als visuelles wie identitätsstiftendes Highlight inszeniert.
- Schutzwall zur Köpenicker Straße: Da die Köpenicker Straße stark verkehrsbelastet ist, planen alle Teams an der südlichen Grundstückskante einen geschlossenen, baulichen Riegel („Rücken“). Dieser fungiert als aktiver Schallschutz, damit das Innere des Quartiers und die Uferzonen beruhigt und lebenswert bleiben.
- Öffentliche Uferpromenade & Spreefenster: Es wird eine durchgängige, öffentliche Promenade am Wasser geben. Zudem brechen sogenannte „Spreefenster“ – Sichtachsen aus dem Straßenraum heraus – die Barriere zum Fluss auf. Das Quartier öffnet sich zur Spree hin.
- Industrielles Erbe & Klimaanpassung: Das Areal soll weitgehend autoarm werden. Die industrielle Vergangenheit (Kaimauern, alte Pflasterbeläge, Kranbahnen) wird gestalterisch integriert und mit großflächigen Entsiegelungen, Regengärten, Wildblumenwiesen und Klimahöfen kombiniert.
Zeitschiene und politische Relevanz für die Luisenstadt
Bezirksstadtrat Florian Schmidt dämpfte die Erwartungen an eine schnelle Umsetzung, wies aber auf wichtige bürokratische Weichenstellungen hin:
- Baureife wird erst in etwa drei Jahren erwartet. Ein durchgehender, grüner Uferweg von der Schillingbrücke bis zur Oberbaumbrücke bleibt damit vorerst Zukunftsmusik.
- Eine Grundsatzentscheidung zum Bebauungsplan soll jedoch zügig, möglichst noch vor der Sommerpause, auf den Weg gebracht werden.
Die Jury hat unmittelbar nach der Bürgerpräsentation in einer nicht-öffentlichen Sitzung getagt, um ein Ranking der Entwürfe zu erstellen. Ein klassischer Einzelsieger wird nicht gekürt; das Ranking dient der WBM und der BEHALA als direkte Grundlage für die finale Masterplanung.
Foto oben: Archiv BV
Quelle: www.Entwicklungsstadt.de/hochhaeuser-und-gruenflaechen-wie-geht-es-weiter-am-viktoriaspeicher
Siehe auch

„Der Phantom-Kiez in Berlins Mitte: Eine Wanderung durch die geteilte Luisenstadt“ – eine Stadtwanderung entlang der Köpenicker Straße bei www.Unterwegs.IllustrierteWelt.de