Verkehrsbefragung - Symbolfoto: Ch. Eckelt -

Deutsche Städte: Wer Geld hat, fährt Rad – auch in Mitte

LETZTE ÄNDERUNG am Montag 25. August 2025 18:57 durch BV LuiseNord


Ergebnisse der Verkehrsbefragung für Berlin Mitte – Teil 2.

Je höher das Einkommen, desto häufiger nutzt man in Mitte das Fahrrad zur Fortbewegung. Das ist eines der überraschenden Ergebnisse der Studie »Mobilität in Städten« der TU Dresden.

Die hatte im Jahr 2023 zum dritten Mal nach 2013 und 2018 die Bewohnerinnen und Bewohner von mehr als 100 Städten in Deutschland zu ihrem Verkehrsverhalten befragt, davon etwa 40.000 in Berlin und 4.200 im Bezirk Mitte.

Die Ergebnisse sind inzwischen veröffentlicht. Die Forschenden interessierte dabei vor allem die Frage, welche Verkehrsmittel die Befragten benutzen und wie hoch in etwa deren Anteil an den Verkehrswegen ist.

Die meisten Wege, so das Ergebnis, legt man in Mitte zu Fuß zurück, wobei sich der Anteil seit der letzten Befragung fünf Jahre zuvor von 33,6 % auf 36,2 % zwar nicht dramatisch, aber dennoch deutlich erhöht hat.

Insbesondere zum Einkaufen, für die Freizeit bzw. die Inanspruchnahme von Dienstleistungen wird fast die Hälfte der Wege zu Fuß zurückgelegt, der Fußweg zu anderen Verkehrsmitteln wurde dabei nicht mitgezählt.

Mit dem Auto zum Einkaufen fahren dagegen nur noch 11 % der Mitte-Bewohner (statt 13,4 % fünf Jahre zuvor).

Dieser Beitrag erschien als Artikel in der aktuellen Ausgabe der Stadtteilzeitung
Dieser Beitrag erschien als Artikel in der aktuellen Ausgabe der Stadtteilzeitung „ecke köpenicker“ Siehe Download-Link unten

Wir sollten uns also langsam mal überlegen, was wir mit den Parkplätzen und Parkhäusern an unseren Shoppingcentern und Supermärkten in Zukunft eigentlich anfangen wollen.

Auf dem zweiten Platz der Verkehrswege rangiert der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Dessen Anteil von 31% hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert, er liegt in Mitte nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt von Berlin (26,2 %), was angesichts des dichten ÖPNV-Netzes in der inneren Stadt keinen verwundern sollte.

Im Zeitraum der Befragung stieg die Ausstattung der Bevölkerung mit Dauerfahrkarten übrigens erheblich, im zweiten Halbjahr 2023 nutzte schon fast jeder Dritte das damals neu eingeführte Deutschlandticket, gleichzeitig ging die Nutzung von Fahrkarten zum Abstempeln um etwa ein Drittel zurück.

Anders als in der Gesamtstadt Berlin folgt in Mitte in der Rangliste jetzt schon das Fahrrad. Für mehr als jeden fünften Verkehrsweg (22,4%) wird es in unserem Bezirk genutzt, in der Gesamtstadt dagegen nur durchschnittlich zu 17.9%.

In ganz Berlin nutzt man stattdessen für 21,8% der Wege das Auto in Mitte dagegen nur für 10,4%.


Screenshot: Verkehrsbefragung Berlin Mitte - Bild: SenMVKU
Screenshot: Verkehrsbefragung Berlin Mitte – Bild: SenMVKU

Wie schon in der Ecke 2/25 berichtet: Nur jeder dritte Haushalt im Hauptstadtbezirk verfügt überhaupt über einen PKW. Die Nutzung des Fahrrads hat sich im Vergleich zu 2018 jedoch nur wenig erhöht (um 0,4%).

Die meisten neuen Radstreifen und Fahrradstraßen im Bezirk sind freilich erst im Jahr 2023 oder später entstanden und können noch keinen großen Einfluss gehabt haben.

Die Studie liefert dennoch gewichtige Argumente für den Ausbau des Radwegenetzes. Erhoben wurden nämlich auch Daten zum Einkommen der Befragten, was es ermöglichte, die Ergebnisse nach ökonomischem Status zu differenzieren.

Das Ergebnis dürfte einige überraschen: Denn obwohl das Fahrrad ja ein extrem kostengünstiges Fortbewegungsmittel ist, nutzt es das Fünftel der Bevölkerung mit den niedrigen Einkommen vergleichsweise wenig.

Nur 15,9% der Wege werden in dieser Gruppe im Bezirk Mitte mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Fast doppelt so hoch aber ist der Anteil beim »oberen« Fünftel der Befragten mit dem höchsten zur Verfügung stehenden Einkommen: Hier liegt er bei 29,8% und damit weit über dem des motorisierten Individualverkehrs.

Fast jeder dritte Weg wird also vom wirtschaftlich stärksten Teil der Bevölkerung in Mitte per Rad zurückgelegt, mit dem Auto aber nur jeder zehnte.

Der Einzelhandel im Bezirk wäre somit gut beraten, sich mehr um Abstellplätze für Fahrräder und Lastenräder zu kümmern anstatt um Stellplätze für PKW.

Ein schickes Lastenrad auf dem Hof verleiht im Hauptstadtbezirk offenbar inzwischen mehr soziales Prestige als eine Luxuskarosse aus Stuttgart oder München in der Tiefgarage.

Das sollte den für die Verkehrspolitik Verantwortlichen im Senat zu denken geben. Denn die Wirtschaftskraft der Stadt (und damit auch ihr Steueraufkommen) hängt ja maßgeblich von der Attraktivität Berlins für junge, hochqualifizierte Fachkräfte aus allen möglichen Weltregionen ab, wie sie das Zentrum der Stadt bevölkern.

Und offensichtlich liegen diesen neuen urbanen Eliten geschützte Radstreifen und Fahrradstraßen sehr viel mehr am Herzen als weitere Schnellstraßen und Stadtautobahnen.

Ausführliches Datenmaterial zur Studie findet sich auf der Website der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: www.Berlin.de/sen/uvk/mobilitaet-und-verkehr/verkehrsdaten/zahlen-und-fakten/


Quelle: cs in der ecke köpenicker No 3 Juli August 2025

Symbolfoto oben: Ch. Eckelt für die ecke köpenicker 3/2025


ecke köpenicker 3 2025 Cover
ecke köpenicker 3 Juli August – hier lesen/herunterladen

ecke köpenicker No 3 Juli August 2025 – Lesen/Herunterladen

Alle ecken seit der Erstausgabe hier in unserem Blog

Und es gibt weitere ecken in anderen Mitte-Sanierungsgebieten:

Andere ecken 2 2025 Collage
Andere ecken 2 2025 Collage

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