Archiv der Kategorie: Verkehrskonzept

Postfuhramt: Ein Jahrzehnt zwischen Denkmal-Hype und Baustellen-Stille

Während das Sanierungsgebiet „Nördliche Luisenstadt“ Anfang 2027 offiziell abgewickelt wird, bleibt eines seiner markantesten Areale ein Sorgenkind: das ehemalige Postfuhramt an der Köpenicker Straße. Ein Blick in das Fotoarchiv zeigt die schmerzhafte Diskrepanz zwischen den Visionen von einst und der heutigen Realität.

Rückblick 2013: Ein Kiez im Aufbruch

Im September 2013, am Tag des offenen Denkmals, schien die Zukunft des Geländes zum Greifen nah. Der damalige Investor öffnete die Tore für die Nachbarschaft.

Man spazierte durch die geschichtsträchtigen Höfe, bewunderte die Architektur und diskutierte über die Pläne von Patzschke · Schwebel Architekten. Es war eine Zeit des Optimismus; man glaubte an eine baldige, würdevolle Umnutzung der alten Substanz.

Aufbruchstimmung am Denkmaltag 2013 – Bürger im Gespräch über die damals präsentierten Zukunftspläne.
Aufbruchstimmung am Denkmaltag 2013 – Bürger im Gespräch über die damals präsentierten Zukunftspläne.
Postfuhramt Denkmal Tag 2013
Postfuhramt am Denkmal Tag 2013 – Pläne für den Investor. Quelle Abbildung: Patzschke Schwebel Architekten

Mehr Fotos von diesem Denkmaltag und anderen Veranstaltungen hier im Fotoalbum-Archiv zum Durchblättern.


Die Gegenwart: Die „abgeräumte“ Realität

Spulen wir vor ins Jahr 2026. Das Bild, das sich heute bietet, ist ernüchternd und unterscheidet sich kaum von den Aufnahmen aus dem Jahr 2022. Wo einst ein lebendiger Architekturmix geplant war, herrscht heute weitgehend gähnende Leere.

Der Bauplatz wirkt „abgeräumt“. Lediglich eine einzige, denkmalgeschützte Maschinenhalle steht noch als einsamer Zeuge auf dem Gelände und harrt der Dinge, die da (hoffentlich) kommen.

2022: Stillstand dokumentiert – Der Blick auf das geräumte Areal, auf dem nur noch die historische Maschinenhalle verblieben ist.
2022: Stillstand dokumentiert – Der Blick auf das geräumte Areal, auf dem nur noch die historische Maschinenhalle verblieben ist.

Der Stachel im Fleisch: Ausgleichsbeträge trotz Stillstand

Die Nachricht von Entwicklungsstadt.de, dass das Areal Ende 2025 erneut den Besitzer gewechselt hat und nun 195 Wohnungen sowie eine Kita entstehen sollen, weckt vorsichtige Hoffnung.

Doch die zeitliche Verzögerung hat eine bittere Note: Wenn das Sanierungsgebiet 2027 endet, werden die sogenannten Ausgleichsbeträge fällig.

Hier liegt eine gewisse Ironie der Stadtentwicklung: Während das Projekt über ein Jahrzehnt hinter den Erwartungen herhinkte, werden Grundstückseigentümer im Kiez nun zur Kasse gebeten, um die Bodenwertsteigerungen abzuschöpfen, die durch die öffentlichen Investitionen (insgesamt ca. 28,5 Millionen Euro im Gebiet) entstanden sind.

Man könnte sagen: Die Rechnung kommt pünktlich, auch wenn die versprochene Stadtteil-Idylle auf diesem speziellen Areal noch immer auf sich warten lässt.

Fazit: Unvollendetes Erbe

Das Postfuhramt bleibt das „unvollendete Kapitel“ der Nördlichen Luisenstadt. Ob der neue Investor das Tempo anziehen kann, damit zur Aufhebung des Sanierungsstatus wenigstens die Fundamente stehen, bleibt abzuwarten. Wir bleiben für euch an der Köpenicker Straße dran, da ist immer mehr drin, als man vermutet.

Luise

Quelle: Entwicklungsstadt.de

Fotos: Archiv BV

Mehr Entwicklung in der Luisenstadt:

Und mehr „Postfuhramt“ hier im Blog

Luisenstadt-Rallye an der Waldemarbrücke: Poller sofort!

Dieser Post ist eine GLOSSE
Dieser Post ist eine GLOSSE

Diese Woche gründet sich im Block rechts und links der Waldemarbrücke eine neue Anwohner-Initiative. Siehe dazu auch die Einladung hier im Blog.

Und was treibt die Nachbarn an?

In der Luisenstadt gibt es zwei Arten von Geschwindigkeiten: Die der Autofahrer auf dem Weg zur Abkürzung (Lichtgeschwindigkeit) und die des Bezirksamts bei der Umsetzung von Kiezblocks (Kontinentaldrift).

Während die Anwohner an der Waldemarbrücke noch auf die versprochenen Diagonalsperren warten, üben Durchgangsverkehr-Piloten auf dem Kopfsteinpflaster schon mal für die nächste Paris-Dakar. Luisenstadt-Rallye an der Waldemarbrücke: Poller sofort! weiterlesen

Neue Anwohnerinitative: „Um die Waldemarbrücke Raser raus!“

Die Bewohner im Block rechts und links der Waldemarbrücke haben die Schnauze voll. Sie gründen eine Anwohnerinitative. Forderung: „Um die Waldemarbrücke Raser raus!“

Initiator Tom Albrecht schreibt in der Einladung zum Gründungstreffen am 6. März 2026 (s.a. unten):

„Wir Anwohnende wollen nicht mehr warten, bis die beschlossenen Diagonalsperren als Teil eines Kiezblocks links und rechts der Waldemarbrücke kommen.

Neue Anwohnerinitative: „Um die Waldemarbrücke Raser raus!“ weiterlesen

Wahlkampf um Kiezblocks – Beispiel Weddinger Maxstraße

Neue »Fußgängerzone« in der Weddinger Maxstraße abgepollert. Die politische Auseinandersetzung um die Kiezblocks nimmt an Schärfe zu und entwickelt sich zusehends zu einem Wahlkampfthema für den kommenden September.

Dabei verläuft eine sichtbare Konfrontationslinie zwischen der Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Ute Bonde (CDU) und mehreren Bezirksämtern, darunter dem Bezirksamt Mitte und hier insbesondere dem für das Straßen-­ und Grünflächenamt zuständigen Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Bündnis 90/Grüne).

Wahlkampf um Kiezblocks – Beispiel Weddinger Maxstraße weiterlesen

Grünes Licht für den Waisentunnel – BVG baut unter der Spree

Nun also Baurecht: Eine der wichtigsten (und unbekanntesten) Adern der Berliner U-Bahn wird saniert – der Waisentunnel.

Gute Nachrichten für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG): Nach jahrelangem Stillstand und aufwendigen Genehmigungsverfahren liegt nun die planrechtliche Zulassung für den Neubau des sogenannten Waisentunnels vor. Das Bauwerk ist für Fahrgäste unsichtbar, aber für den U-Bahn-Betrieb essenziell.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Was passiert? Der seit 2017 aus Sicherheitsgründen gesperrte Waisentunnel wird abgerissen und neu gebaut. Ein Teil der Strecke führt direkt unter der Spree hindurch.

  • Warum ist das wichtig? Der Tunnel verbindet die Linie U5 mit dem restlichen Netz (U8). Aktuell ist die U5 quasi eine „Insel“: Züge müssen für große Reparaturen aufwendig mit Tiefladern durch die Stadt zur Hauptwerkstatt gefahren werden. Der Neubau beendet diesen logistischen Albtraum.

  • Der Zeitplan: Die Arbeiten sollen bereits im Frühjahr 2026 beginnen. Die Fertigstellung ist für 2030 geplant.

  • Die Herausforderung: Die Bauarbeiten unter der Spree sind komplex. Damit der Schiffsverkehr nicht gestoppt werden muss, wird mit speziellen Spundwänden gearbeitet, die den Fluss halbseitig trockenlegen („Trockenbauweise“).

  • Die Kosten: Ursprünglich waren ca. 55 Millionen Euro veranschlagt, mittlerweile geht der Senat von deutlich höheren Kosten (ca. 77 bis 87 Millionen Euro) aus.

Hintergrund: Der 1918 fertiggestellte Tunnel war ursprünglich Teil einer nie vollendeten U-Bahn-Planung der AEG und litt schon früh unter Wassereinbrüchen. Mit dem Neubau wird eine über 100 Jahre alte Schwachstelle im Netz endgültig behoben.


Quelle: rbb24 – BVG erhält Genehmigung für Neubau des Waisentunnels mit einer Simulation der zukünftigen Baustelle



Foto oben: Baustelle Waisentunnel, fotografiert von Eric H., veröffentlicht unter CC BY-SA 3.0 de, Commons.Wikimedia.org/w/index.php?curid=37661188

Adalbertstraße: Reisebusse gefährden Schulkinder

Die Beruhigung der Adalbertstraße hat Auswirkungen auf die Reisebusse. Und auf das Leben der Kinder.

Die ecke Köpenicker berichtet: Der Umbau der Adalbertstraße könnte größere Verkehrsprobleme in der Köpenicker Straße verursachen und dabei auch Menschenleben gefährden.

Darauf wies ein aktives Mitglied der Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt hin, das von seinem Fenster aus beobachten kann, wie sich vor dem A&O-­Hostel in der Köpenicker Straße immer wieder Reisebusse stauen.

Das Hostel ist nämlich eine der bettenreichsten Herbergen der Stadt. Hier nächtigen in engen Mehrbettzimmern oft mehrere Hundert Schülerinnen und Schüler gleichzeitig, die in Berlin auf Studienfahrt sind.

Wenn sie mit dem Bus an- oder abreisen, stauen sich diese Busse oftmals vor dem Hostel, wie unser Foto zeigt:

Adalbertstraße: Reisebusse gefährden Schulkinder weiterlesen

Bezirk Mitte kontrolliert E-Scooter am eifrigsten – aber …

… Verbänden gehen die Regeln nicht weit genug – der Bund will sie dennoch lockern.

Rücksichtslos auf den Bürgersteigen abgestellte E­-Scooter sind für Sehbehinderte und Blinde eine Gefahrenquelle, aber auch für Rollstuhlfahrende, Eltern mit Kinderwagen und ältere Menschen oft ein ärgerliches Hindernis.

Deshalb fordert der Deutsche Blinden­ und Sehbehindertenverband (DBSV), dass E-Scooter generell nicht an jeder beliebigen Stelle des Gehwegs einfach abgestellt werden können, sondern nur auf entsprechend ausgewiesenen und abgegrenzten Abstellflächen, die kontrastreich markiert und mit einem Blindenstock ertastbar sein sollten.

Bezirk Mitte kontrolliert E-Scooter am eifrigsten – aber … weiterlesen

Neues zur geplanten Umgestaltung der Adalbertstraße

Versickerungsmulden gibt’s nur in rechteckig. Im kommenden Jahr, 2026, soll die Adalbertstraße grundlegend umgebaut werden.

Im Vordergrund stehen dabei die Schulwegsicherheit für die Kinder der neuen Grundschule, verkehrsberuhigende Maßnahmen und die Erschwerung des Durchgangsverkehrs sowie die klimaresiliente Umgestaltung mit ausreichend Versickerungsmöglichkeiten und viel Grün.

Neues zur geplanten Umgestaltung der Adalbertstraße weiterlesen

Melchiorstraße »angeradelt«. Wo sind die Parkplätze!?

Obligatorische Kritik an eingezogenen Parkplätzen für Anwohnende.

Die Fahrradstraße Melchiorstraße ist fertig gestellt und wurde am 14. November 2025 vom Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Bündnis 90 /Die Grünen) offiziell angeradelt.

Zwischen Engeldamm und Michaelkirchplatz ergänzt sie das Berliner Radverkehrsnetz um eine wichtige Nebenroute:

Sie erschließt nicht nur die neue Grundschule Luisenstadt in der Adalbertstraße, sondern bildet in Zukunft im Zusammenspiel mit der Michaelkirchstraße und der Wrangelstraße auch eine Alternativroute zum Radweg auf der Köpenicker Straße.

Melchiorstraße »angeradelt«. Wo sind die Parkplätze!? weiterlesen

Sechseck-Insel am Michaelkirchplatz wird umgestaltet

Im kommenden Jahr 2026 soll es losgehen: Der Verkehrsbereich an der Kreuzung Michaelkirchplatz / Michaelkirchstraße im nördlichen Teil des Michaelkirchplatzes – eine Sechseck-Verkehrsinsel – wird in einen Aufenthaltsbereich umgestaltet.


Ergänzung: Inzwischen hat auch das Portal Entwicklungsstadt.de das Thema ausführlich aufgegriffen: „Stadtgrün statt Parkraum: Neugestaltung des nördlichen Michaelkirchplatzes ab Frühjahr 2026“


Zuvor waren in zwei öffentlichen Beteiligungsprozessen gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern Ideen und Wünsche zu zukünftigen Nutzung gesammelt worden.

Sechseck-Insel am Michaelkirchplatz wird umgestaltet weiterlesen