LETZTE ÄNDERUNG am Dienstag 3. März 2026 12:52 durch BV LuiseNord
In der Südlichen Luisenstadt ist ja immer sehr viel mehr Leben als im Norden. Und besonders in der Hauptstraße dort, der Oranienstraße. In der Oranienstraße 169 in Kreuzberg hat sich über die letzten Jahrzehnte offensichtlich ein wohnungspolitisches Drama abgespielt. So berichtet es kürzlich der TAGESSPIEGEL.
Prominente linke Journalisten, die sonst in ihren Artikeln gerne den moralischen Zeigefinger heben, wurden nun vom Land Berlin ordentlich zur Kasse gebeten. Sie sind beteiligt an einem 3-Millionen-Euro-Subventionstrick.
Der (vermeintlich) soziale Traum der 90er
Alles begann in den Neunzigerjahren: Das Land Berlin schoss einer Eigentümergruppe für ein sogenanntes „Selbsthelfer“-Projekt mal eben mehr als 3,4 Millionen D-Mark zu. Das entsprach satten 85 Prozent der Kosten, um das damals heruntergekommene Haus in der Oranienstraße 169 zu sanieren.
Die Bedingungen für diesen Geldregen klangen nobel:
- Die Eigentümer sollten gefälligst selbst dort wohnen.
- Mieterhöhungen und die Verdrängung bestehender Mieter waren absolute Tabus.
- Frei werdende Wohnungen sollten 20 Jahre lang sozial benachteiligten Mietern vorbehalten bleiben.
Spiegel-Enthüllung: Heuchelei par excellence
Doch wie eine Recherche des „Spiegel“ Anfang 2023 aufdeckte, nahmen es die Eigentümer mit diesen lästigen Regeln offenbar nicht ganz so genau.
Über Jahrzehnte hinweg wurde gegen die Förderbedingungen verstoßen – ganz bequem und ohne nervige Kontrollen durch die Verwaltung.
Sozialer Wohnraum für Bedürftige? Fehlanzeige. Die versprochenen Gemeinschaftsräume für soziale Projekte? Sind niemals eingezogen.
Besonders pikant ist das „Who-is-Who“ der Eigentümergruppe:
Dazu gehörten prominente (teils ehemalige) Journalisten von großen Blättern wie „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Spiegel“, „Berliner Zeitung“ und „taz“. Darunter befand sich sogar eine frühere Chefredakteurin der „Berliner Zeitung“, die in ihren Kommentaren die Privatisierung städtischer Wohnungen einst scharf als Verrat am Volkseigentum geißelte. Doch als der Fördervertrag 2022 auslief, wollte man das Haus plötzlich sehr unsozial und gewinnbringend an einen Investor verscherbeln.
Das teure Nachspiel
Strafrechtliche Ermittlungen wegen schweren Subventionsbetrugs verliefen im Sande, da die Sache praktischerweise verjährt war.
Doch ganz so leicht kamen sie nicht davon: Die Senatsbauverwaltung reichte 2025 Klage vor dem Verwaltungsgericht ein, da das geförderte Wohnprojekt für die Allgemeinheit faktisch gar nicht existierte.
Kurz vor der öffentlichen Verhandlung einigte man sich nun auf einen Vergleich. Die Quittung für die Moralapostel: Sie müssen insgesamt 3,145 Millionen Euro an das Land Berlin zurückzahlen.
Die Senatsverwaltung feiert den Deal jetzt als „starkes Zeichen“. Dass man jahrzehntelang bei den Kontrollen komplett geschlafen hat, wird dabei elegant weggelächelt: Selbstkritik gab es keine. Stattdessen betonte man stolz, dass die Fehler ja bei den Fördernehmern lägen und man selbst „schnell und konsequent“ gehandelt habe. Na dann!
rb
Quelle: Tagesspiegel, Artikel von Christian Latz vom 19.02.2026 (hinter Bezahlschranke)
Collage oben: Symbolbild als Gedankenspiel – Foto: KI/Nao Banana 2
Die KI hatte noch weiter lustig-kreative Illustrations-Ideen, die wir hier nicht vorenthalten möchten 😃. Klick auf die Voransichten für Vollbilder:
Verwendung gern mit Quellenangabe: www.Luise-Nord.de



