QM Logo Wandbild - Foto: Ch. Eckelt

Quartiersmanagement läuft 2027 aus – für fünf von sechs QMs in Mitte

LETZTE ÄNDERUNG am Montag 19. Januar 2026 20:22 durch BV LuiseNord


Am Ende des Jahres 2027 werden fünf der sechs Quartiersmanagements (QMs) im Bezirk Mitte auslaufen.

Betroffen sind die drei Weddinger QM-Gebiete Brunnenstraße, Pankstraße und Soldiner Straße / Wollankstraße sowie die beiden Moabiter QMs Beusselstraße und Moabit Ost.

Bereits »verstetigt« sind im Bezirk die ehemaligen QM­-Gebiete Sparrplatz und Magdeburger Platz (seit Ende 2016) sowie Ackerstraße (seit Ende 2020).

Ab 2028 bleibt im Bezirk lediglich das Quartiersmanagement Badstraße, das erst im Jahr 2016 gegründet wurde.

Nur drei bleiben übrig

In ganz Berlin laufen zum Jahresende 2027 insgesamt 19 von derzeit 32 aktiven QM­-Gebieten aus. Die Entscheidung wurde nicht vom Bezirk getroffen, sondern von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen aufgrund einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern aus dem Jahr 2022.

Diese beschränkte die Laufzeit der Förderung für einzelne Gebiete grundsätzlich auf 15 Jahre. Das ist auch bei anderen Städtebauförderprogrammen so üblich – allerdings finanzieren diese in der Regel bauliche Maßnahmen, die irgendwann abgeschlossen sein müssen.

Dieser Beitrag erschien als Artikel in der aktuellen Ausgabe der Stadtteilzeitung
Dieser Beitrag erschien als Artikel in der aktuellen Ausgabe der Stadtteilzeitung „ecke köpenicker“ Siehe Download-Link unten

Aus dem Mitteln des Programms »Sozialer Zusammenhang« werden jedoch in erster Linie soziale Projekte fördert, die den Zusammenhalt in Problemquartieren stärken sollen.

Eine Überprüfung, inwieweit diese Ziele bereits erreicht wurden, findet aber nicht statt. So weisen die QM­-Gebiete von Mitte im aktuellen Sozialstrukturatlas des Landes Berlin aus dem Jahr 2022 durchweg problematische Sozialstrukturen auf.

Der Bezirk insgesamt rangiert darin nach Neukölln und Spandau zwar nur noch an drittletzter Stelle in Berlin – im Jahr 2013 hatte er noch auf dem letzten Platz gelegen.

Verbessert, aber …

Die positive Entwicklung vollzog sich aber nicht gleichmäßig. Verbessert haben sich zwar die Indikatoren in gut der Hälfte der bezirklichen Planungsräume, insbesondere in den Gebieten Heine­Viertel Ost, Heidestraße und Charitéviertel.

Anderswo hatten sich diese Indikatoren zwischen 2013 und 2022 aber deutlich verschlechtert, etwa im Moabiter Huttenkiez oder im Gebiet um die Lüneburger Straße.

Insgesamt entwickelten sich die meisten Planungsräume mit bestehenden QMs in dieser Zeit aber meist allenfalls neutral.

Problematisch ist jedoch nicht nur der Wegfall der Fördermittel für diese Gebiete. Denn die sind in der Summe oft gar nicht so hoch und werden in der Regel nur meist zeitlich begrenzt eingesetzt, um bürgerschaftliches Engagement zu aktivieren, etwa, um gemeinsam Müll vom öffentlichen Straßenraum zu entfernen oder ähnliche Aktionen.

Räumt doch Euren Müll selber weg!

So will man Anwohner und Gewerbetreibende dazu motivieren, auch selbst ab und an vor ihrer Haustür für Sauberkeit zu sorgen.

Manche meinen deshalb auch, man sehe es den Straßen an, ob sie in einem QM­-Gebiet liegen oder nicht.

Ohne die Mitarbeitenden des Quartiersmanagements und die ehrenamtlichen Strukturen aus Quartiersräten und Jurys z.B. für den lokalen Aktionsfonds lassen sich solche Prozesse aber nur schwer anregen.

Vor allem in innerstädtischen Gebieten mit hoher Fluktuation ist zudem eine professionelle Integrationsförderung notwendig, weil hier immer wieder neue Menschen ankommen, die angesprochen werden müssen.

QM Logo Wandbild - Foto: Ch. Eckelt
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Ohne die Impulse aus den QM-­Gebieten, die sehr viel flexibler auf aktuelle lokale Entwicklungen reagieren als die große Maschine der öffentlichen Verwaltung, wird diese Arbeit wohl auch nicht gerade leichter.

Stadtteilkoordination übernimmt flächendeckend,
aber ohne ausreichend Personal

Das Bezirksamt Mitte verweist in diesem Zusammenhang auf die Stadtteilkoordination, die inzwischen flächendeckend in jeder der zehn Bezirksregionen von Mitte aufgebaut ist.

Auch hier stehen mit der sogenannten »Stadtteilkasse« zwar Mittel zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements und zur Aktivierung der Bewohnerschaft zur Verfügung.

Allerdings sind die Stadtteilkoordinationen schon personell gar nicht in der Lage, die Aktivitäten der Quartiersmanagements auch nur annähernd zu ersetzen.

Denn die Gebiete, die sie betreuen, sind im Schnitt mehr als doppelt so einwohnerstark und die Teams bestehen in der Regel lokal nur aus einer einzigen Person, die sich als Einzelkämpferin unmöglich um all die Aspekte kümmern kann, für die bislang die QM­-Teams zuständig sind.

Quelle: CS ecke köpenicker 6 Dezember 2025 Januar 2026

Bild oben: QM Logo Wandbild (Foto: Ch. Eckelt)

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Amtliche Details: www.Quartiersmanagement-Berlin.de/unser-programm/foerderkulisse

Aktuell gibt es im Bezirk Berlin-Mitte also insgesamt sechs aktive Quartiersmanagement-Gebiete (QM). Diese werden im Rahmen des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert.

Hier ist die Übersicht der Gebiete mit den direkten Links zu ihren Internetseiten:

QM in Berlin - Stand 2021 (Abbildung: www.Quartiersmanagement-Berlin.de)
QM in Berlin – Stand 2021 (Abbildung: www.Quartiersmanagement-Berlin.de)

ecke köpenicker 6 2025/2026
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