Alle Beiträge von Luise

BV LuiseNord. Die Betroffenenvertretung für das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt. Seit 2012 Beobachter, Mitdenker und Mitlenker bei Sanierung der Luisenstadt Nord an der Spree in Berlin

Postfuhramt: Ein Jahrzehnt zwischen Denkmal-Hype und Baustellen-Stille

Während das Sanierungsgebiet „Nördliche Luisenstadt“ Anfang 2027 offiziell abgewickelt wird, bleibt eines seiner markantesten Areale ein Sorgenkind: das ehemalige Postfuhramt an der Köpenicker Straße. Ein Blick in das Fotoarchiv zeigt die schmerzhafte Diskrepanz zwischen den Visionen von einst und der heutigen Realität.

Rückblick 2013: Ein Kiez im Aufbruch

Im September 2013, am Tag des offenen Denkmals, schien die Zukunft des Geländes zum Greifen nah. Der damalige Investor öffnete die Tore für die Nachbarschaft.

Man spazierte durch die geschichtsträchtigen Höfe, bewunderte die Architektur und diskutierte über die Pläne von Patzschke · Schwebel Architekten. Es war eine Zeit des Optimismus; man glaubte an eine baldige, würdevolle Umnutzung der alten Substanz.

Aufbruchstimmung am Denkmaltag 2013 – Bürger im Gespräch über die damals präsentierten Zukunftspläne.
Aufbruchstimmung am Denkmaltag 2013 – Bürger im Gespräch über die damals präsentierten Zukunftspläne.
Postfuhramt Denkmal Tag 2013
Postfuhramt am Denkmal Tag 2013 – Pläne für den Investor. Quelle Abbildung: Patzschke Schwebel Architekten

Die Gegenwart: Die „abgeräumte“ Realität

Spulen wir vor ins Jahr 2026. Das Bild, das sich heute bietet, ist ernüchternd und unterscheidet sich kaum von den Aufnahmen aus dem Jahr 2022. Wo einst ein lebendiger Architekturmix geplant war, herrscht heute weitgehend gähnende Leere.

Der Bauplatz wirkt „abgeräumt“. Lediglich eine einzige, denkmalgeschützte Maschinenhalle steht noch als einsamer Zeuge auf dem Gelände und harrt der Dinge, die da (hoffentlich) kommen.

2022: Stillstand dokumentiert – Der Blick auf das geräumte Areal, auf dem nur noch die historische Maschinenhalle verblieben ist.
2022: Stillstand dokumentiert – Der Blick auf das geräumte Areal, auf dem nur noch die historische Maschinenhalle verblieben ist.

Der Stachel im Fleisch: Ausgleichsbeträge trotz Stillstand

Die Nachricht von Entwicklungsstadt.de, dass das Areal Ende 2025 erneut den Besitzer gewechselt hat und nun 195 Wohnungen sowie eine Kita entstehen sollen, weckt vorsichtige Hoffnung.

Doch die zeitliche Verzögerung hat eine bittere Note: Wenn das Sanierungsgebiet 2027 endet, werden die sogenannten Ausgleichsbeträge fällig.

Hier liegt eine gewisse Ironie der Stadtentwicklung: Während das Projekt über ein Jahrzehnt hinter den Erwartungen herhinkte, werden Grundstückseigentümer im Kiez nun zur Kasse gebeten, um die Bodenwertsteigerungen abzuschöpfen, die durch die öffentlichen Investitionen (insgesamt ca. 28,5 Millionen Euro im Gebiet) entstanden sind.

Man könnte sagen: Die Rechnung kommt pünktlich, auch wenn die versprochene Stadtteil-Idylle auf diesem speziellen Areal noch immer auf sich warten lässt.

Fazit: Unvollendetes Erbe

Das Postfuhramt bleibt das „unvollendete Kapitel“ der Nördlichen Luisenstadt. Ob der neue Investor das Tempo anziehen kann, damit zur Aufhebung des Sanierungsstatus wenigstens die Fundamente stehen, bleibt abzuwarten. Wir bleiben für euch an der Köpenicker Straße dran, da ist immer mehr drin, als man vermutet.

Luise

Quelle: Entwicklungsstadt.de

Fotos: Archiv BV


Mehr Postfuhramt hier im Blog

In eigener Sache: Die „ecke Köpenicker“ auf Sparkurs

Schlechte Nachrichten für alle Leser der Stadtteilzeitung: Die „ecke Köpenicker“ wird künftig deutlich seltener in euren Briefkästen und damit auch hier im Blog landen. Nach einer Neuausschreibung des Bezirks im Januar wurde die Erscheinungsweise drastisch reduziert – die Zeitung wird ab sofort nur noch viermal pro Jahr erscheinen.

Aufgrund dieser bürokratischen Neuordnung und der damit verbundenen Verzögerungen wird die nächste Ausgabe voraussichtlich erst Anfang April 2026 veröffentlicht.

In eigener Sache: Die „ecke Köpenicker“ auf Sparkurs weiterlesen

Das soziale Netz im Kiez: Ein Wegweiser durch das Heinrich-Heine-Viertel

In der Nördlichen Luisenstadt passiert vieles hinter den Kulissen, das für Familien und junge Menschen entscheidend ist. Ein zentraler Motor für diese Arbeit ist die Regionale Arbeitsgemeinschaft (RAG) Heinrich-Heine-Viertel. Hier kommen unter der Schirmherrschaft der Jugendhilfeplanung des Bezirksamts Mitte regelmäßig Schulen, Jugendeinrichtungen und soziale Projekte zusammen, um den Kiez gemeinsam zu gestalten.

Bild oben: Die RAG plant ein Kiezfest.
Wie wär’s mit unserem nicht ganz
ernst gemeinten Plakat-Entwurf?
Quelle: Nano Banana 😃

Damit Eltern und Jugendliche nicht den Überblick verlieren, haben wir die aktuellen Schwerpunkte und Angebote für euch zusammengefasst.

Das soziale Netz im Kiez: Ein Wegweiser durch das Heinrich-Heine-Viertel weiterlesen

März 2026. Was gibt’s Neues von den Baustellen in der Luisenstadt?

In der Luisenstadt in Berlin-Mitte tut sich aktuell (Stand März 2026) einiges, da das offizielle Sanierungsgebiet „Nördliche Luisenstadt“ kurz vor seinem Abschluss steht (geplant für Anfang 2027).

Hier ist der Überblick über die wichtigsten Baustellen und Entwicklungen:

Wohn- und Gewerbeprojekte

  • Quartier Lilienthal (Köpenicker Straße 104–114): Die Baustelle der landeseigenen WBM ist in der Endphase. Die Rohbauten stehen, Fenster sind weitgehend eingesetzt, und derzeit laufen die Fassadenarbeiten. Die Fertigstellung der 102 Mietwohnungen und 8.000 m² Gewerbefläche ist für das 3. Quartal 2026 geplant.

März 2026. Was gibt’s Neues von den Baustellen in der Luisenstadt? weiterlesen

Nachlese: Gesprächsabend zu Drogen & Obdachlosigkeit

Rückblick – was war los beim Nachbarschaftstreffen am

9. Februar: Heinrich-Heine-Viertel – Gesprächsabend zu Drogen & Obdachlosigkeit

Die einladende AG „Kiezpolitik der Partei Die Linke im Heinrich-Heine-Viertel“ hat uns einen kleinen Bericht zur Verfügung gestellt:

„Die Veranstaltung war mit rund 60 Personen sehr gut besucht. Besonders gefreut haben wir uns über die konstruktive und wertschätzende Gesprächsatmosphäre sowie das große Interesse aus der Nachbarschaft, sich an Lösungen zu beteiligen, sich einzubringen und zu helfen.

Nachlese: Gesprächsabend zu Drogen & Obdachlosigkeit weiterlesen

Beton-Segen an der Köpenicker – Das Quartier Lilienthal landet (endlich)

Manchmal dauert es in der Luisenstadt eben etwas länger. Schon 2015, als wir alle noch jünger waren und „Gentrifizierung“ noch für ein Fremdwort hielten, wurde der Wettbewerb für das Areal an der Köpenicker Straße und heutige Quartier Lilienthal (nahe U-Heinrich-Heine-Straße) ausgelobt.

Jetzt, elf Jahre später, meldet Entwicklungsstadt.de: Es wird ernst! Im dritten Quartal 2026 soll das „Quartier Lilienthal“ fertig sein.

Beton-Segen an der Köpenicker – Das Quartier Lilienthal landet (endlich) weiterlesen

Kann die zunehmende Müllproblematik am Stammtisch gelöst werden?

Sicher nicht. Aber vielleicht heißt es nach dem nächsten Luisenstadt-Stammtisch nicht einfach nur „Schön, dass wir darüber gesprochen haben“.

Daher diese aktuelle Einladung

Wie gewohnt sehen wir uns wieder am zweiten Dienstag des Monats, als am kommenden 10. März 2026 ab 18 Uhr im Restaurant AGORA in der Annenstraße 13 (zwischen Heinrich-Heine- und Neue Jakobstraße).

Wer erst später kommen kann – kein Problem, man ist immer ziemlich lange dort.

Kurzfristig hat sich ergeben dass wir uns bei diesem Stammtisch mit der zunehmenden Müll-Problematik beschäftigen werden.

Angeregt wurde das von einer Anwohnerin der “Annenhöfe” im Heinrich-Heine-Viertel – aber das Problem betrifft ja mehr oder weniger die gesamte Luisenstadt, ja fast die gesamte Stadt.

Kann die zunehmende Müllproblematik am Stammtisch gelöst werden? weiterlesen

Luisenstadt-Rallye an der Waldemarbrücke: Poller sofort!

Dieser Post ist eine GLOSSE
Dieser Post ist eine GLOSSE

Diese Woche gründet sich im Block rechts und links der Waldemarbrücke eine neue Anwohner-Initiative. Siehe dazu auch die Einladung hier im Blog.

Und was treibt die Nachbarn an?

In der Luisenstadt gibt es zwei Arten von Geschwindigkeiten: Die der Autofahrer auf dem Weg zur Abkürzung (Lichtgeschwindigkeit) und die des Bezirksamts bei der Umsetzung von Kiezblocks (Kontinentaldrift).

Während die Anwohner an der Waldemarbrücke noch auf die versprochenen Diagonalsperren warten, üben Durchgangsverkehr-Piloten auf dem Kopfsteinpflaster schon mal für die nächste Paris-Dakar. Luisenstadt-Rallye an der Waldemarbrücke: Poller sofort! weiterlesen

Neue Anwohnerinitative: „Um die Waldemarbrücke Raser raus!“

Die Bewohner im Block rechts und links der Waldemarbrücke haben die Schnauze voll. Sie gründen eine Anwohnerinitative. Forderung: „Um die Waldemarbrücke Raser raus!“

Initiator Tom Albrecht schreibt in der Einladung zum Gründungstreffen am 6. März 2026 (s.a. unten):

„Wir Anwohnende wollen nicht mehr warten, bis die beschlossenen Diagonalsperren als Teil eines Kiezblocks links und rechts der Waldemarbrücke kommen.

Neue Anwohnerinitative: „Um die Waldemarbrücke Raser raus!“ weiterlesen

Wasser predigen, Rendite saufen: Subventionstrick in der Oranienstraße

In der Südlichen Luisenstadt ist ja immer sehr viel mehr Leben als im Norden. Und besonders in der Hauptstraße dort, der Oranienstraße. In der Oranienstraße 169 in Kreuzberg  hat sich über die letzten Jahrzehnte offensichtlich ein wohnungspolitisches Drama abgespielt. So berichtet es kürzlich der TAGESSPIEGEL.

Prominente linke Journalisten, die sonst in ihren Artikeln gerne den moralischen Zeigefinger heben, wurden nun vom Land Berlin ordentlich zur Kasse gebeten. Sie sind beteiligt an einem 3-Millionen-Euro-Subventionstrick.

Wasser predigen, Rendite saufen: Subventionstrick in der Oranienstraße weiterlesen