Schlagwort-Archiv: Geschichte der Luisenstadt

Berliner Mauern – Trasse der U1 war Stadtmauer

Wo die Trasse der U1 verläuft, stand einst eine Berliner Stadtmauer.

Die Geschichte der Luisenstadt ist auch eine Geschichte von Mauern. Zuletzt war es die Berliner Mauer, die den historischen Stadtteil für knapp 30 Jahre teilte.

Jedoch war beim Mauerbau 1961 die Luisenstadt schon seit fast einem halben Jahrhundert durch die Stadtplanung Groß-­Berlins zur Hälfte Kreuzberg und zur anderen Hälfte Mitte zugeschlagen.

Über die Grenzen der Luisenstadt habe ich an dieser Stelle schon geschrieben, wer sich nicht erinnert: Der historische Stadtteil wird von der Spree, der Lindenstraße und der U1 begrenzt.

Luisenstadt innere Grenze
Luisenstadt innere und äußere Grenze (Klick für eine Großansicht)

Ein eingenordeter Stadtplan zeigt die Luisenstadt als fast gleichschenkliges Dreieck, der rechte Schenkel ist die Spree, der linke die Lindenstraße und die Basis die U1.

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Falko Hennig: Der Stratigraf von Berlin

Sein neues Buch passt perfekt zu dem Image des „literarischen Archäologen“, das Falko Hennig verkörpert. 


Wenn man über Berliner Originale spricht, kommt man an Falko Hennig kaum vorbei. Er ist nicht einfach nur ein Autor oder ein Stadtführer – er ist ein chronistischer Flaneur, der die Stadt nicht nur betrachtet, sondern wie ein Archäologe Schicht für Schicht abträgt.

Nun neues Buch: „Im Anfang war Berlin“

In seiner neuesten Veröffentlichung „Im Anfang war Berlin: Stratigrafien“ *) (Omnino Verlag) beweist Hennig einmal mehr sein Gespür für das Verborgene. Berlin ist für ihn ein Palimpsest – ein mehrfach überschriebenes Dokument, bei dem alte Texte immer noch durchschimmern.

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Spirit und Sprit und die Geister der Brückenstraße

Bild oben – das älteste existierende Lichtbild von der Brücken-­ Ecke Köpenicker Straße ist von F. Albert Schwartz, aufgenommen ungefähr 1890, vielleicht auch 1880 oder sogar 1870.

Die Brückenstraße ist auf der alten Aufnahme zwar nicht zu sehen, aber das Eckhaus Köpenicker Straße 77. Davor steht ein Vater mit drei Töchtern, die scheinbar den Fotografen gesichtet haben und stillhalten.

Aber der Vater hat sich in der Aufnahmezeit bewegt, in der das Licht auf die beschichtete Platte fiel. So ist er auf dem Bild transparent geworden. Nur dadurch ist die Aufschrift »Jam. Rum« hinter ihm sicht-­ und lesbar. Er ist zu einem Geist geworden, Spirit, durch den der Sprit scheint.

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Schillingbrücke: Seltsamer Verlauf der Mauer – geklärt

Die Inhalte von Facebook sind nicht immer doof. Beteiligt sich doch hier oft rege in unendlich vielen Themengruppen eine im Selbstverständnis ernannte „Schwarmintelligenz“. Übrigens – mit Facebook sind auch die Nutzer älter geworden – die jüngeren treiben sich woanders herum 😉.

So fragte also neulich Facebook Nutzer Michele Roccato in der Gruppe „(Ost-) Berlin – Die vergessene Hauptstadt“ wissbegierig: 

„Weiß jemand, warum die Mauer an dieser Stelle (Schillingbrücke, wo heute das Verdi Haus steht) so einen seltsamen Verlauf hatte?“

und illustrierte seine Frage gleich mit drei interessanten Abbildungen. Siehe unten.

Diese Frage löste gleich einen großen Schwung Antworten in der darauf folgenden Diskussion aus. Die Kommentarfunktion wurde mittlerweile geschlossen – Liken geht noch.

Und dabei kamen weitere interessante Abbildungen zu Tage.

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„Beiß auf Deine Hand, du klapperst so laut!“ – Flucht durch die Spree

Bild oben: Peter Barsch schwamm 1978 durch die Spree in den Westen.

Peter Barsch ist an der Ecke Oncken und Harzer Straße aufgewachsen und kann sich an den Bau der Mauer erinnern, die anfangs noch aus Stacheldraht bestand.

Die Eltern warnten ihn und seine Freunde: „Ihr geht aber nicht in den Westen!“ „Nöööh!“ Aber dann machten sie es trotzdem, sie waren kaum fünf Jahre alt. Sie robbten unter dem Stacheldraht durch und kamen genauso zurück.

Als die Mauer dann wirklich eine Mauer und mehr war, wurde die Familie nach Lichtenberg „umgesetzt“ und das Haus für den Todesstreifen abgerissen.

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Vortrag im dialog 101: Spektakuläre Verbrechen in der Luisenstadt

Der Bürgerverein Luisenstadt und Historiker Dr. Andreas Splanemann laden zu einem weiteren öffentliche Vortrag in unser Stadtteilzentrum dialog 101:

Ist die Luisenstadt ein gefährlicher Ort?

Immer wieder gibt es hier Verbrechen, nicht selten auch mit tödlichen Folgen. Dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, ist es nicht verwunderlich, dass hier mehr Verbrechen geschehen als in weniger besiedelten Gebieten. In der Luisenstadt hat es in den vergangenen 160 Jahren einige spektakuläre Fälle gegeben, die auch Eingang in die Kriminalliteratur gefunden haben. Einige sind sogar verfilmt worden.

Gänsehaut ist garantiert, wenn Andreas Splanemann von den Serienmorden des Carl Großmann berichtet, der so gerne seine Opfer – oder zumindest Teile davon – am und im Luisenstädtischen Kanal ablegte.

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Mit dem Arbeiterreiseführer durch die Luisenstadt

Die NaturFreunde Deutschlands offerieren mit dem Titel „Mit dem Arbeiterreiseführer durch Berlin“ eine kostenlose Führung durch unsere Luisenstadt.

Die Tour, geleitet vom Historiker Hans-Gerd Marian, befasst sich mit der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung in der Luisenstadt von 1848 bis heute und nutzt einen historischen „Arbeiterreiseführer“ aus der Weimarer Republik als Quelle.

Die Führung erkundet das alte Gewerkschaftsviertel und behandelt Themen wie Stadtentwicklung, Architektur, Kultur und Natur.

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Margot Friedländers Geschichte in der Luisenstadt

Blumen liegen am Stolperstein für Margot Friedländer, die kürzlich im Alter von 103 Jahren in Berlin verstarb.

Der Stolperstein vor der Skalitzer Straße 32 markiert ihren letzten offiziellen Wohnort, bevor sie im Januar 1943 nach der Deportation ihres Bruders und ihrer Mutter untertauchte, im Frühjahr 1944 von der Gestapo verhaftet und später nach Theresienstadt deportiert wurde.

Die Wohnung in der Skalitzer Straße 3 war nicht selbstgewählt, es war eine sogenannte »Judenwohnung«.

Ab 1939 musste fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Berlins ihre bisherigen Wohnungen verlassen. Sie wurden als Untermieter in Wohnungen eingewiesen, in denen bereits andere Jüdinnen und Juden wohnten, und wurden so in Mietshäusern insbesondere in der Innenstadt konzentriert.

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Stadtmuseum Ahoi! Vergangenheit und Zukunft auf einer Ansichtskarte

Auf wohl keiner Postkarte ist mehr Berliner Geschichte zu sehen als auf der hier abgedruckten. Das liegt hauptsächlich am Märkischen Museum, das wie eine gotische Backsteinkirche mit Kloster aussieht.

In dem Turm kann man die Kirche von Havelberg erkennen und im Walmdach die Bischofsburg in Wittstock an der Dosse.

Die Waisenbrücke ist sogar Zukunftsmusik man stelle sie sich als Fahrrad- und Fußgängerbrücke vor, wie sie hoffentlich in nicht ferner Zeit wieder die Spree überquert.

Das fällt um so leichter, weil die Fußgänger auf dem Foto und vor dem Ersten Weltkrieg noch nicht durch die Straßenverkehrsordnung auf Fußwege verbannt, sondern im Verkehr den Autos, Kutschen und Fahrrädern gleichberechtigt waren.

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Stolpersteine für Lotte und Erich Garske vor der Köpenicker 48

Am 9. Mai 2025 um 9 Uhr wurden vor der Köpenicker Straße 48 Stolper­steine für ein Ehepaar verlegt, das Widerstand gegen die Nazis leistete.

Schon seit 1992 werden auf Deutschlands Bürgersteigen Stolpersteine verlegt. Trotzdem muss niemand Angst haben hinzufallen, denn auch wenn die Stolpersteine Betonwürfel mit Messingdecken sind, werden sie ungefährlich in die Bürgersteige versenkt.

Stolpern soll man mit den Augen und dem Herzen, denn jeder Stolperstein erinnert an ein Opfer der Nazis. Wie kleine quadratische Gedenktafeln liegen die Steine vor den letzten selbstgewählten Wohnorten von NS-Opfern.

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