Symbolbild Baumscheibe

Jetzt plötzlich doch: Baumscheiben-Begrünung sogar erwünscht!

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Der folgende Beitrag erschien als Artikel in der Stadtteilzeitung „ecke köpenicker No. 4 September Oktober 2022“


Das Grünflächenamt Mitte revidiert seine Haltung zur Bepflanzung von Baumscheiben – und sucht nun die schönsten Baumscheiben

Das nennt man wohl eine 180-Grad-Wende:
Nachdem das Grünflächenamt Mitte in der Vergangenheit der Bepflanzung von Baumscheiben durch Anwohner und -innen ablehnend gegenüberstand und großen Unmut auf sich zog, wenn es solche Bepflanzungen sogar wieder beseitigte, hat es nun seine Haltung gründlich revidiert:

Es wird künftig nicht nur entsprechende Eigeninitiativen von Bürgern dulden, sondern ruft sogar ausdrücklich und offensiv zum Bepflanzen von Baumscheiben auf, u.a. mit einem Faltblatt, aber auch online (s.u.).

Die Aktion trägt offensichtlich die Handschrift der neuen Umweltstadträtin in Mitte, Dr. Almut Neumann

Unter der Überschrift „Mach Mitte schöner!“ schreibt sie: „Ich freue mich sehr, dass Du Deinen Kiez mitgestalten willst! Fürs Bepflanzen einer Baumscheibe brauchst Du in Mitte keine Genehmigung – nur Deinen grünen Daumen, Umsicht und Engagement.
Die Gesundheit unserer Bäume liegt mir sehr am Herzen. Um sie zu schützen, möchte ich Dich bitten, unsere Tipps zum Begrünen zu beachten.
Ich würde mich freuen, wenn Du uns ein Foto von Deiner fertigen Bepflanzung schickst! Wir nehmen es gerne in unsere Sammlung der ›Schönsten Baumscheiben in Mitte‹ auf.“

Ganz nebenbei zeigt die neue Kampagne auch, wie man die ja durchaus berechtigten Bedenken, die das Grünflächenamt Mitte als Argumente gegen die Bepflanzung durch Bürger bislang vorbrachte, ins Positive wendet: indem man nämlich Empfehlungen und Tipps für eine sachgerechte Bepflanzung gibt.


Und hier ein Blick dazu in den Youtube Channel des BA Mitte

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Aus der Videobeschreibung:
„Ihr wollt in Mitte eine Baumscheibe bepflanzen? Wir haben ein paar Tipps für euch zusammengestellt, die euch beim Begrünen einer Baumscheibe helfen. Hier findet ihr alle Infos zur Baumscheibenbepflanung in Mitte:
www.Berlin.de/ba-mitte/../gruenflaechen/..


Denn es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass gut gemeint nicht immer auch richtig gemacht ist und unsachgemäßer Umgang mitunter dem Straßenbaum eher schadet, was das Grünflächenamt verhindern wollte.

So – und so nicht

Daher das bisherige Generalverbot. Das neue Faltblatt gibt hingegen in leicht verständlicher Sprache hilfreiche Tipps, was geht und was nicht – beispielsweise darf man keinen Torf oder Pflanzensubstrate benutzen und der Wurzelbereich muss frei bleiben.

Der amtliche Baumscheiben Flyer mit Do's & Dont's
Der amtliche Baumscheiben Flyer mit Do’s & Dont’s

Auch „übergriffige“ Gewächse wie z.B. Efeu sind tabu. Kübel, Kästen und Töpfe sollen vermieden werden, weil das den Baum schädigen könnte.

Es gibt Tipps zum richtigen Gießen und zur Pflanzenauswahl: Hier ist die Website verlinkt mit einer informativen Broschüre des BUND („Kleiner Leitfaden für die ökologische Bepflanzung von Baumscheiben“), die ausführlich Auskünfte zur sachgerechten Bepflanzung und eben auch zu geeigneten Pflanzenarten gibt – vorzugsweise sollten es heimische und insektenfreundliche Arten sein.

Und bitte: Baumscheiben sind keine privaten Vor- bzw. Kleingärtchen! (Das steht so nicht im Faltblatt, sollte man aber nochmal anmerken – gemütliche, womöglich noch von Gartenzwergen oder ähnlichem Dekor umzingelte Sitzbänkchen gehören da nicht hin.)

Natürlich werden begrünte
Baumscheiben nicht das Klima retten

Aber wer Baumscheiben bepflanzt, ob allein oder zusammen mit anderen, ist auch viel eher dazu bereit, den Baum regelmäßig zu wässern – und das ist angesichts des Zustands vieler Straßenbäume dringend nötig.

Die Grünflächenämter, auch das weiß man inzwischen, schaffen es nicht allein, das Stadtgrün mit ausreichend Wasser zu versorgen. Auch unter diesem Aspekt ist die neue Initiative des Grünflächenamtes bemerkenswert.

Denn sie signalisiert ein Umdenken der Verwaltung: Wer Bürgerinnen und Bürger nicht als potentiell renitente Störenfriede und lästige Nörgler verdächtigt, sondern die eigene Kompetenz und das Fachwissen mit ihnen teilt, hat die Chance, die Bewohner der Stadt als mithandelnde Partner zu gewinnen, denn womöglich verfolgen die ja dasselbe Ziel (in diesem Fall ein besseres Stadtklima).

Auch in Mittes Nachbarbezirk Friedrichshain /Kreuzberg hat sich diese Erkenntnis durchgesetzt, und auch dort sind Privatinitiativen zur Baumscheibenbegrünung nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht.

Freilich ist das längst nicht in allen Bezirken so, da entscheidet jeder Bezirk für sich: Ob man eine Baumscheibe vor der eigenen Haustür begrünen darf oder nicht, ob die Bepflanzung unterstützt, still hingenommen oder umgehend beseitigt wird, hängt also vom Wohnort des Begrünenden ab.

Insbesondere für Neuberliner kann dieses Resultat der zweistufigen Berliner Verwaltung mitunter recht verwirrend sein. Aber vielleicht folgen ja auch bald andere Grünflächenämter dem Beispiel von Mitte.

Beitragstext: „us“ in der Stadtteilzeitung „ecke köpenicker No. 4 September Oktober 2022“

Das Faltblatt liegt u. a. in vielen öffentlichen Einrichtungen des Bezirks aus. Online findet man es unter:

www.Berlin.de/ba-mitte/../../baumscheiben-flyer-netzversion-neu.pdf

Amtsmeldung dazu: www.Berlin.de/ba-mitte/../gruenflaechen

Foto oben: Symbolbild aus o.g. „ecke“ / Ch. Eckelt

So nicht! Baumscheibe - gesehen in Mitte-Tiergarten
So nicht! Baumscheibe – gesehen in Mitte-Tiergarten. Foto: Archiv BV

ecke köpenicker 4 Sept Okt 2022 - hier lesen/downloaden
ecke köpenicker 4 Sept Okt 2022 – hier lesen/downloaden

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