Collage - Köpi Räumung

Köpi geräumt. Und nun?

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Im folgende lesen Sie den Original-Wortlaut eines weiteren Artikels aus der „ecke No 6 Dezember 2021 / Januar 2022“ (hier lesen/downloaden):


„Bislang ist völlig unklar, wie es mit dem ehemaligen Wagenplatz Köpi weitergeht

Es ist, wie es sonst immer mit den Prophezeiungen irgendwelcher Sekten ist: Das magische Datum naht, es verstreicht – und nichts passiert.

Kein Weltuntergang, kein Ende der Menschheit. Und eben auch kein Baubeginn auf dem ehemaligen Wagenplatz in der Köpenicker Str. 137.

Dabei war doch der angeblich geplante Baubeginn die Begründung gewesen, den Wagenplatz unter einem massiven Polizeiaufgebot räumen zu lassen (siehe auch unser Bericht in der Ecke Nr. 5).

Schon Tage vor dem Räumungstermin am 15. Oktober waren dafür ganze Straßenzüge um den Block zwischen Köpenicker, Michaelkirchstraße, Melchiorstraße und Engeldamm abgeriegelt worden, nur Anwohnerinnen und Anwohner durften noch passieren.

Im Zeitraum vom 14. bis 16. Oktober waren wegen der Räumung insgesamt 3500 Polizeibeamte „rund um die Uhr im Wechsel“ präsent, Einsatzkräfte aus acht weiteren Bundesländern sowie die Bundespolizei waren hinbeordert worden, um „Amtshilfe zu leisten“, also der Gerichtsvollzieherin Zugang zum Platz zu verschaffen.

Auf dem Wagenplatz neben dem linksalternativen, selbstverwalteten Wohnprojekt Køpi lebten zu dieser Zeit noch 32 Menschen, für die bis zum Räumungstag trotz aller Bemühungen kein anderweitiges Ausweichquartier gefunden werden konnte.

Die Køpi war Anfang 1990 noch ein leerstehendes Hinterhaus ohne Vorderhaus und wurde damals besetzt, später dann wie viele andere besetzte Häuser legalisiert, indem ihre Bewohner Mietverträge mit der Stadt abschließen konnten.

Das Hinterhaus mit seiner bunten Projektelandschaft von Kino bis Probenräumen war von der Räumung nicht betroffen – wohl aber der Wagenplatz auf dem brachliegenden Areal daneben. Hier wollte angeblich der Eigentümer, die Startezia GmbH, eine Tochtergesellschaft im weitverzweigten Sanus-AG-Firmengeflecht des Immobilienunternehmers Siegfried Nehls, ein Bauvorhaben realisieren, die Baugenehmigung war seit Jahren erteilt.

Allerdings sind solche Genehmigungen befristet.

Nach dem Fristablauf erlöschen sie, wenn nicht bis dahin zumindest erkennbare „bauvorbereitende Maßnahmen“ stattfinden, und müssen erst wieder neu beantragt werden. Unter Umständen dann unter strengeren Auflagen – je nachdem, welche planrechtlichen Konkretisierungen zwischenzeitlich für das Gebiet vorgenommen wurden.

Die Baugenehmigung aus dem Jahr 2015 für das Grundstück war nur noch bis Mitte November dieses Jahres gültig. Der Eigentümer machte also Druck und setzte mit Verweis auf die Dringlichkeit die Räumung gerichtlich durch. Die Polizei räumte mit schwerem Gerät, zurückblieb ein Berg aus Wagenresten und Schrott, der anschließend jedoch nicht mal komplett beseitigt wurde – noch bis vor zwei Wochen waren Reste auf dem Areal zu sehen (siehe Foto).

Das Areal wird von Security bewacht, doch von bauvorbereitenden Maßnahmen keine Spur, weshalb die Baugenehmigung folgerichtig zum Stichtag im November erlosch. Das teilte die zuständige Sanierungsverwaltungsstelle des Bezirks dem Eigentümer formgerecht schriftlich mit.

„Außer Spesen nüscht jewesen“,

kommentiert der Berliner in solchen Fällen trocken. Mal abgesehen davon, dass hier 32 Menschen einfach auf die Straße gesetzt wurden – der massive Polizeieinsatz erfolgte ja auch nicht ehrenamtlich, die Kosten dürften bei einem Millionenbetrag liegen. Nach allen Erfahrungen ist der Verdacht nicht ganz unrealistisch, es sei hier nur darum gegangen, ein Grundstück quasi „besenrein“ vom Staat beräumen zu lassen, weil sich leere Grundstücke bekanntlich leichter und teurer verkaufen lassen.

Man nennt das dann auch „zu spekulativen Zwecken“.

Ungeachtet dessen gehen die Querelen nun auch für die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnprojekts Køpi in der Köpenicker Str. 137 weiter. Nach deren Aussagen wurden sie vom Eigentümer aufgefordert, den Zaun zwischen dem Grundstück Nr. 137 und dem danebenliegenden Wagenplatz abzubauen. Doch bei jedem Versuch ihrerseits, der Aufforderung nachzukommen, würden sie wiederum von der Security nebenan unter Einsatz von Feuerlöschern daran gehindert, so berichten es die Køpi-Leute. Dieses etwas widersprüchliche Verhalten sei äußerst irritierend.

Auch ein Begehungstermin, der vom Eigentümer gewünscht und anberaumt wurde, sei kurzfristig wieder abgesagt worden. Dabei hat die Køpi selbst ja durchaus Interesse und den Wunsch, mit dem Eigentümer ins Gespräch zu kommen, um neue Eskalationen zu vermeiden. Doch Siegfried Nehls ist mal wieder nicht erreichbar.“


Quelle: Bezirkszeitung für das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt „ecke köpenicker No 6 Dezember 2021 / Januar 2022“ (hier lesen/downloaden); Text: us; Fotos der Collage: Ch. Eckelt


ecke koepi 6 2021/2022
ecke köpenicker No 6 November Dezember 2021 – PDF hier herunterladen

 

 

Die gesamte „ecke“ hier lesen/herunterladen

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