Die Tresortür in der Ausstellung TRESOR-31 – Click für eine Großansicht

Panzerknacker gesucht – Wie die Tür des legendären TRESORS vor das Kraftwerk Mitte kam

Der folgende Beitrag erschien als Artikel in der Stadtteilzeitung „ecke köpenicker Nr. 6 Dez/Jan 2022/23“


Seit Jahresende 2022 befindet sich eine historische Tresortür vor dem einstigen Heizkraftwerk Mitte in der Köpenicker Straße.
Heute dient das Gebäude aus den 1960er Jahren unter dem Namen „Kraftwerk Berlin“ als Veranstaltungsort.

Alles begann in der Leipziger Straße 126a

Die vor dem Kraftwerk aufgestellte Tresortür steht für die Geschichte des Techno-Clubs Tresor, der seit 2007 in einer Verteilerstation von Fernwärmeleitungen unter dem ausgedienten Heizkraftwerk sein zweites Zuhause gefunden hat.

Die historische Stahltür befand sich bis zur Schließung des Clubs im Jahr 2005 in der Leipziger Straße 126a. Damals wurde dort mit dem Bau des Shopping-Centers „Mall of Berlin“ begonnen. Alles, was sich als transportabel erwies, wurde vom Tresor-Team mitgenommen – so auch zwei Tresortüren, einschließlich ihres Rahmens.

Die Türen waren in den 1920er Jahren im Keller des Kaufhauses Wertheim eingebaut worden. In der damaligen Hyperinflation hatten es die Berliner Kriminellen weniger auf Münzen und Banknoten, denn vielmehr auf Wertgegenstände abgesehen. Deshalb richteten die Banken verstärkt Tresorräumen in ihren Filialen ein, denn sie wollten ihren Kunden ausreichend Platz zur Aufbewahrung von wertvollen Gegenständen bereitstellen.

So kam es auch zum Einbau eines Tresors im Keller der Wertheim Bank AG, die sich im Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Straße befand. Dieses Kaufhaus war von seiner Verkaufsfläche das größte und am schönsten ausgestattete Warenhaus der Familie Wertheim in Berlin.

Das Wertheim in der Leipziger Straße

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Wertheims wegen ihres jüdischen Glaubens gezwungen, ihre Warenhäuser zu verkaufen und mussten emigrieren. Das Wertheim in der Leipziger Straße wurde unter dem neuen Besitzer unter dem Namen „AWAG“ (Allgemeine Warenhandels-Gesellschaft) weitergeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Einteilung Berlins in Sektoren durch die Alliierten befand sich das Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Straße direkt an der Sektorengrenze im Ostteil der Stadt. Da das teilzerstörte Gebäude den Ost-Berliner Städteplanern für eine Neugestaltung des Regierungsviertels im Wege stand, ließen sie es abreißen.

Erhalten blieben die Kellerräume des Banktresors. Darüber wurde, unter Verwendung einiger Reste des historischen Bauwerkes, ein kleines Gebäude im Stil der 1950er Jahre errichtet. Durch dieses Gebäude blieben die Tresorräume zugänglich.

1991 – Der Tresor eröffnet

Mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961, die entlang der sowjetischen Sektorengrenze verlief, befanden sich das Gebäude und der darunter liegende Tresor in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer und im unzugänglichen Grenzgebiet. Das änderte sich mit der Öffnung der Mauer im Jahre 1989. So eröffnete in den Tresorräumen im Frühjahr 1991 ein Musikclub.

Die Betreiber:innen benannten ihn nach der früheren Funktion der Räume, in denen sich der Club befand, nämlich Tresor.
Dieser Club zählt zu den Orten Berlins, an denen die Musikkultur des Techno entstand, die sich später weltweit verbreitete.

Etwa ein Jahr nach der Eröffnung inspizierte das Bezirksamt Mitte den „Tresor“, natürlich ohne vorherige Anmeldung. Damals gab es nur einen Ein- und Ausgang. Dieser führte durch die Tresortür, die heute in der Ausstellung „Berlin Global“ im Humboldtforum zu bestaunen ist.

Die zweite Tür lässt sich nicht öffnen

Die zweite Tür – jene Tresortür, die heute vor dem Kraftwerk steht – ließ sich bei dem Kontrollbesuch des Bezirksamtes nicht öffnen, da sie verschlossen und stark verrostet war.

Um, wie es nach den Vorschriften üblich ist, einen zweiten Fluchtweg einzurichten, setzten die Betreiber:innen des Clubs alles daran, auch diese Tür zu öffnen. Es folgte der Aufruf in Zeitungen und im Fernsehen „Panzerknacker gesucht“. Ganze Brigaden dieser Zunft sollen frustriert aufgegeben haben.

Die Spuren ihrer Arbeit sind an der Tür noch gut zu erkennen. Nach mehreren Monaten gelang es dem Tresor-Team, mit zwei geliehenen hydraulischen DDR-Wagenhebern die Tür zu öffnen.

Der Weg führte nun aus dem Keller heraus, auf der Rückseite aus dem Gebäude ins Freie. Dort befand man sich im „Tresorgarten“. Das war ein über die Jahrzehnte verwildertes Gelände, das von zwei Mitarbeitern des Clubs mit Sitzgelegenheiten, Lampions und zwei Springbrunnen in eine kleine Oase verwandelt worden war.

Dieser Garten sei ihr Lieblingsort des Tresors gewesen, so Regina Baer, die den Club während seiner Zeit in der Leipziger Straße managte und danach auch im Kraftwerk-Berlin tätig war.

Im Sommer 2022 verstarb sie. Vielleicht ist das Aufstellen der Tresortür auch als eine Würdigung von Regina Bear und ihrer Arbeit im Club-Tresor und im Kraftwerk-Berlin gedacht.

Text: Eberhard Elfert in der „ecke No. 6/2022″

Eberhard Elfert ist Kulturwissenschaftler, er engagiert sich seit 2014 für die Geschichte und den Denkmalschutz entlang des zukünftigen Spreeuferweges.
Er wird auch im Jahr 2023 wieder Führungen zur Geschichte der Clubkultur entlang der Köpenicker Straße anbieten: www.clubkultour.de

Die Tresortür in der Ausstellung TRESOR-31 – Click für eine Großansicht
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TRESOR 31 Ausstellung
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Foto-Collagen: Archiv BV


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ecke köpenicker Nr. 6 für Dezember 2022 / Januar 2023 – hier lesen/downloaden
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